Im Gegensatz zu den andern Besatzungszonen wurden Anfang Mai 1945 die Bankinstitute in der sowjetischen Zone geschlossen, die alten Einlagen und Sparguthaben gesperrt und für das Neugeschäft nur zentrale staatlich-provinzielle und städtische Institute zugelassen. Sie haben zweifellos an der Entwicklung des Wirtschaftslebens ihren gebührenden Anteil; ihre Einlagen zeigen eine starke Entwicklung, während die Ausleihungen dahinter zurückbleiben. Diese Entwicklung ist auf den Warenmangel, die Verkehrsnöte, Personalschwierigkeiten u a. zurückzuführen, hängt aber auch damit zusammen daß die eben erst geschaffenen öffentlichen Institute doch nicht über die Erfahrungen und Kenntnisse verfügen, wie sie für die Betreuung einer vielfältigen Kundschaft und deren Bedürfnisse erforderlich sind. Es hat sich auch in der kurzen Zeit des Bestehens nicht jenes Vertrauensverhältnis zwischen Bank und Kundschaft gebildet das bisher üblich war, auch nicht jener "Good will" der gerade für eine Bank von besonderer Wichtigkeit ist.

In Berlin war das Bank- und Kreditgeschäft bei dem eigentlich aus der alten "Reichsbank" hervorgegangenen und auf ihre Praxis eingestellten ..Berliner Stadtkontor" monopolisiert Dessen Entwicklung unterstreicht das oben Gesagte. Nach seinen Ausweisen haben, sich die Gesamteinlagen vom auf 1109 Mill. erholt, darunter die Einlagen von öffentlichen Stellen und Betrieben von 318 auf 597 Mill. RM. die der übrigen Wirtschaft von 167 auf 307 Mill RM. wobei zu, berücksichtigen ist, daß sich darunter größere Summen befinden, die beim Stadtkontor zu halten sind. Diesen Einlagen stehen auf der Aktivseite von 537 Mill. auf nicht weniger als 939 Mill. erhöhte Barmittel und nur von 112 auf 168 Mill. gewachsene Schulden gegenüber. Das bedeutet für die Bank ein glattes Defizit. Mangels Anlage liegen die Barmittel brach, aus den Debitoren sind kaum mehr als 7,5 Mill. aus bei v. H. Querschnittssatz herauszuholen, anderseits erfordern die Einlagen vom 1-v.-H.-Satz einen Zinsaufwand von 11 Mill. RM.

An Kreditbedürfnis ist im Hinblick auf die gewaltigen Aufgaben und unter Berücksichtigung der Sperrung der früheren Guthaben und der Depots Sicher kein Mangel. Das ergibt sich auch -daraus, daß unter der neuen Bezeichnung "Banken für Handel und Gewerbe" die russische Militärverwaltung die Wiederaufnahme der Tätigkeit der dem kleinen und mittleren Kredit dienenden Volksbanken erlaubt hat, um eine gedeihliche Entwicklung von Handel und Handwerk zu fördern. In Berlin wurde für diese Zwecke eine neue Zentralbank, die "Berliner Volksbank" auf genossenschaftlicher Basis unter Beteiligung und personeller Mitwirkung der früheren hier arbeitenden Kreditgenossenschaften ins Leben gerufen, dessen Haftungskapital von alten und neuen Genossen bestritten wird. Das neue Institut wird, wie das – Stadtkontor, in allen Bezirken Niederlagen errichten und zweifellos ein Feld vorfinden, auf dem es sich segensreich auswirken kann. Ebenso stark, vielleicht noch stärker, wird das Kreditbedürfnis bei zahlreichen Unternehmungen sein, die über den Kreis des Tätigkeitsgebiets der Volksbanken hinausgehen. Deren bankmäßige Betreuung lag und liegt bei den Privatbanken, insbesondere bei den Großbanken, die dank ihrer über das ganze Reichsgebiet ausgedehnten Filialnetze über die Möglichkeiten verfügten, zwischen Geld- und Kapitalüberschuß- und -bedarfsgebieten den Ausgleich herbeizuführen und dabei ihrer Kundschaft nicht nur mit Umlauf- sondern auch mit mittel- und langfristigen Investitionskrediten zur Seite standen, bis die größeren. Unternehmer selbst emissionsreif würden. Um auch solcher Kundschaft einen schnell arbeitenden und von eigener Initiative beseelten Bankapparat zur Verfügung zu stellen, war von behördlicher Stelle zunächst wohl daran gedacht, auch hierfür ein Zentralinstitut als "Wirtschaftsbank" oder "Industrie- und Handelsbank" unter Einschaltung der in der Sowjetzone stilliegenden Privatbanken, ihrer Mittel, ihrer Erfahrungen und Kenntnisse, ihres Kredites und ihres Vertrauensverhältnisses zur Kundschaft zu schaffen. Aber diesem Projekt stellten sich doch einige Schwierigkeiten in den Weg, im besonderen die Auftreibung des Haftungskapitals. Die gefragten Groß- und anderen Institute konnten darauf hinweisen, daß sie selbst in der Lage seien, in die Bresche zu springen ohne den Umweg über ein neues Zentralinstitut, und daß sie auch das nötige Rüstzeug mitbrächten.

Die Deutsche Bank, die Dresdener, die Commerzbank, die Berliner Handelsgesellschaft und andere stellen, wie wir hören, beim Magistrat den Antrag zum Neugeschäft wieder zugelassen zu werden. Dieser Antrag wird weitergeleitet an die alliierte Kommandantur und vor dessen.Finanz-Komitee gebracht. Welches sein Schicksal sein wird, läßt sich bei der erforderlichen Einstimmigkeit der Beschlüsse nicht sagen, aber es hat den Anschein, als ob es nicht ganz aussichtslos sei. Ist die Entwicklung in dem erhofften Sinne gefallen, so ist auch Gewähr für ein sicheres Arbeiten gegeben. Bei den Banken erwartet man, genügend Gelder aus der alten Kundschaft, sei es aus neuem Geschäft, sei es aus den Brieftaschentresoren, unter Beibehaltung des für das Gesamtgeschäft in allen Zonen haftenden Eigenkapitals herauszuziehen, um damit ein Kreditgeschäft aufbauen zu können bei erst vielleicht schwieriger, sich aber allmählich bessernder Rentabilitätslage.

Wohlgemerkt: die eventuelle Wiederzulassung von Privatbanken würde sich nur auf neue Geschäfte erstrecken. Die alten ruhen nach wie vor. Nur’ für kleine Sparguthaben läuft jetzt eine Aktion, um deren teilweise Auszahlung in Raten zu ermöglichen. Sonnenschein