Orakel

"Abergläubisch", sagte Käpt’n Bruns, "bün ich dscha unberufen einklich nich. All der alte Schnack mit böse Vorbedeutungen un so was daher is abasige Spökenkuckerei; man braucht dscha man ganz einfach bloß dreimal unnern Tisch zu klopfen, denn kann einen nix passieren. Un wenn es denn wirklich mal so kömmt, daß’n mit dreizehn bei Tisch is, un man will das nich, denn kann man’r dscha ümmer noch einen von rausschmeißen. Aber für die Orakels, da hab ich wohl was für übrig. Sehnse das Schicksal, das, möchte einen manchmal ganz gern en kleinen Wink geben, welchen Kurs daß man steuern soll, un da muß’n ihm denn eben Gelegenheit zu lassen."

Käpt’n Bruns leerte nachdenklich sein Grogglas und fuhr fort: "Nehmense per Beispiel mal den Alkohol. Das is’n ganz hintertücksches Zeug is das. An manche Tage, da kann man’r getrost bis anne Ladelinie von an Bord nehmen, un man bleibt so harmlos un wählig wie’n Länimersteert. Un dann wieder gibt das Tage, da kricht er einen bein Kanthaken un bufft einen überall gegen, un das gibt nix wie Streit un Hawerei un Schandudel. Wenn man das nu morgens vor’n Frühstück all wüßte, denn finge man’r gar nich eers mit an. Nu hatt ich mal in meine dschüngeren Dschahre so ’ne Zeit, da war ich’r besonners anfällig gegen, un da half ich mich denn dscha mit’n Orakel. Morgens, da zählte ich denn anne Knöpfe ab, ob ich sollte oder ob ich nich sollte."

"Un was kam da meist so bei raus?" fragte der gespannte Tischgenosse.

"Da kam einerwegens dasselbe bei raus", versetzte Käpt’n Bruns behaglich. "Schiefgehen konnte das dscha nich. Es waren dscha ümmer dieselben Knöpfe."

Schriftauslegung

Als der Kleinkötner und Tagelöhner Fiedjen Dröge markigen Schrittes und in sonntäglichem Aufputz ins Pastorenhaus kam, um zu melden, daß er da; Dutzend voll gemacht habe und sein zwölftes, springlebendiges Kind zur Christenheit gesellt zu sehen wünsche, konnte der gute, alte Pastor Rotermund einen scharfen Vorwurf nicht unterdrücken,