Die wichtigste und vielfach die schwierigste Aufgabe nach einem modernen Krieg ist die Rückgliederung der Millionen kräftiger Männer aus dem Heeresdienst in den bürgerlichen Produktionsprozeß Sie wird erschwert durch die Überführung weiterer Millionen von Arbeitskräften aus der auslaufenden Rüstungsindustrie des Krieges in die Erzeugung des anlaufenden Friedensbedarfs.

In Deutschland läßt sich dieses Problem noch nicht übersehen Die Wehrmacht wurde zwar mit der Kapitulation aufgelöst, aber Millionen und aber Millionen blieben in Gefangenschaft. Die Rüstungsindustrie stellte zwar ihre Arbeiten sofort ein. es gab jedoch kaum eine Friedensindustrie, die nach Arbeitskräften verlangt hätte. Wo Aufgaben notwendig sich aufdrängen, etwa in der Kohlenerzeugung. da werden besonders geeignete Personen, nicht Arbeitswillige schlechthin, gesucht.

Dafür sind jetzt in England Zahlen durch die Regierung veröffentlicht worden, die einen ersten Einblick in eine sich in Ordnung abwickelnde Demobilmachung gewähren. Da für Deutschland unendlich viel davon abhängt, daß die Überführung der Weltwirtschaft aus den rein auf Vernichtung und Zerstörung eingestellten Verhältnissen der Kriegswirtschaft auf die Erzeugung der unendlich vielen kleinen und großen Bedürfnisse des besonderen täglichen und des allgemeinen wirtschaftlichen Lebens möglichst rasch vollzogen wird, wollen wir diese Zahlen genauer betrachten.

Zwei Merkmale treten uns scharf entgegen: Es sind mehr Menschen – heute "beschäftigt" im weitesten Sinne, als vor dem Kriege, aber die wirtschaftliche Arbeitsleistung liegt noch weit hinter damals zurück. Ende 1945 waren in England rund 21 Millionen Personen erfaßt, von denen 3,86 Millionen unter den Waffen standen, zu denen noch 100 000 Mann der Polizei zu rechnen wären, und 1,8 Millionen in der Rüstungsindustrie arbeiteten. 5,75 Millionen Personen fielen also für die Friedenserzeugung aus.

Dazu wären noch 750 000 Mann zu rechnen, die im Dezember von den Fahnen entlassen wurden und nun einen bezahlten Urlaub verbrachten, also nicht in der Produktion schaffend wirkten, und schließlich 285 000 Arbeitslose. Diese große Zahl von 6 3/4 Millionen Menschen, und dazu noch meist junge, kräftige Männer, fehlten in einem Augenblick, da der Wiederaufbau nicht nur der beschädigten Städte, sondern der gesamten Wirtschaft das dringende Gebot der Stunde ist. Immerhin sind seit Mitte 1945 große Fortschritte erzielt!

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wurden insgesamt mehr als 3,35 Millionen Mann entlassen. Die Kopfstärke der unter den Fahnen Stehenden konnte also etwa auf die Hälfte herabgesetzt werden. Zugleich wurde die Zahl der in der Rüstungsindustrie Beschäftigten im gleichen Zeitraum um 2,1 Millionen, gesenkt, wovon der größte Teil, über 1,8 Millionen, auf die chemische und Metallindustrie entfiel. Wo sind diese Millionenheere. geblieben?

602 000 haben sich endgültig aus dem Erwerbsleben zurückgezogen, abgesehen von den Arbeitslosen und den im Urlaub Befindlichen. Dennoch ist die Zahl der erfaßten Personen noch um 1,2 Millionen größer als 1939. In diesen 1,8 Millionen zusätzlicher Arbeitskraft tritt uns die große Anstrengung Englands während des Krieges entgegen, als die letzte Hand herangezogen werden mußte, um dem unaufhörlich steigenden Bedarf der kämpfenden Front gerecht zu werden. Viele von diesen sind Frauen, die sich nur vorübergehend zur Verfügung stellten, und manche der noch in Arbeit verbliebenen 1,2 Millionen wird ebenfalls sich zurückziehen, wenn erst die Männer die alten Posten eingenommen haben.