Die Potsdamer Beschlüsse besagen, daß Deutschland befähigt sein müsse, ohne Hilfe von außen zu bestehen. In einem sehr bedeutungsvollen Aufsatz zur Frage der deutschen Stahlquote haben die "Times diesen Satz wie folgt interpretiert; Deutschland müsse instandgesetzt werden, mit seinen Exporten die notwendige Einfuhr — "an Lebensmitteln — zu bezahlen. Nach wissenschaftlich fundierten Schätzungen bewegt sich der deutsche Eiufuhrbedaif an Lebensmitteln etwa in der Größenordnung von einer Viertelmilliarde Pfund Sterling. Dieser Berechnung sind einmal die Durchschnktsernten des letzten Jahres zugrunde gelegt, und zum anderen ein in Friedenszeit üblicher Durchschnittsbedarf von 2500 Kalorien je Kopf. Ob die uns verbleibenden industriellen Anlagen und ob insbesondere die uns zugebilligte geringe Menge an Stahl eine Exportleistung in entsprechender Höhe zulassen werden, erscheint zunächst zweifelhaft. Immerhin sind wir nun wenigstens so wej t, daß die ersten Exporte laufen, und zwar aus der USA Zone, und auf Dollar Basis. Die Commercc Co hat in der Holledau zunächst für 4 Mill. Dollar Hopfen, zur Ausfuhr nach Belgien und der USA, abgeschlossen Über Lieferungen nach Großbritannien und Dänemark wird noch verhandelt. Ein zweites Exportgeschäft, bei dem es sich freilich nur um ein Objekt von 400000 Dollar handelt, ist zwischen dem Beauftragten der USAMilitärregierung und der Tschechoslowakei abgeschlossen worden. Geliefert wird Kali (die Meldungen sprechen von "Pottasche") und Salz. Weitere Ausfuhrgeschäfte, die nichtunmittelbar vom USA Mil Government angeregt sind, unterliegen einem recht bürokratischen Verfahren. Bei einer der drei "Außenhandelsstellen" (Frankfurt, Stuttgart, München) muß die exportwillige Firma ein "Angebot" vorlegen: mit genauer Beschreibung der Ware, gegebenenfalls belegt durch Prospekte oder Kataloge, mit Angaben über frühere Abnehmer, und natürlich auch mit einer nach Einzelware und Gesamtsortiment aufgegliederten Faktura, für die der Inlands Stop Preis maßgebend ist. Das Angebot läuft über die Militärregierung an den Kontrollrat, der es ans "Ausland" weiterleitet. In erster Linie werden die während des Krieges von Deutschland besetzten Länder berücksichtigt (die offenbar die Möglichkeit haben sollen, die Ware auf Reparationskonto zu beziehen), in zweiter Linie die überseeischen Länder, in dritter die neutralen Staaten unter denen aber die Saiweiz und Spanien von Lieferungen ausgeschlossen bleiben. Findet sich ein Abnehmer, so erhält der Exporteur eine Veisand Lizenz. Der Kontrollrat bestimmt den Exportpreis, empfängt Zahlung in Dollar und zahlt der Lieferfirma den Rechnungsbetrag in Reichsmark aus.