Die französische Regierung Gouin hat Sparmaßregeln verkündet, die für eine siegreiche Nation ungewöhnlich sind. Der Fehlbetrag des Staatshaushaltes soll beseitigt werden, indem die Ausgaben mit harter Hand auf die Hälfte herabgeschraubt werden. Besonders betroffen wird der Militärhaushalt, der auf 140 Milliarden Francs zusammengestrichen wird. Das bedeutet, daß die Zahl der unter Waffen stehenden Truppen voraussichtlich stark herabgesetzt werden muß.

In einer Rede an die französische Nation hat Staatschef Gouin, der Nachfolger von General de Gaulle, die Notwendigkeit dieses unerbittlichen Sparens auseinandergesetzt. Frankreichs Fluren sind verwüstet, die Verkehrsmittel vielfach zerstört, die Industrie liegt brach und entbehrt der notwendigen Anlagen. Nur die Hilfe des Auslandes, insbesondere Nordamerikas, kann den Wiederaufbau der französischen Wirtschaft durchführen. Voraussetzung für die unentbehrliche Kreditgewährung ist jedoch Vertrauen.

Anfang des Vertrauens müssen gesunde Staatsfinanzen sein. Nach dem ersten Weltkrieg, mußte die französische Republik erleben, daß ihre Außenpolitik zerschlagen wurde durch die Rückschläge, die aus einer ungesunden Finanzgebarung erwuchsen, insbesondere, als Poincaré nach dem Ruhreinmarsch zurücktreten mußte. Als der Franc ins Gleiten gekommen war und unrettbar verloren schien, wurde er von der Nation zurückgerufen und rettete die Währung fast wie durch ein Wunder.

Solche Fehler will das heutige Frankreich vermeiden. Für viele, besonders für die Beamtenschaft, bringt diese Sparsamkeit harte Belastungen mit sich. Es dürfen keine Gehaltserhöhungen ausgesprochen, keine neuen Stellungen besetzt werden. Aber alle Opfer wiegen leicht gegenüber der Gefahr, das Land von einer Welle der Inflation und Währungskatastrophe hinwegschwemmen zu lassen.

Auf dem Vertrauen der Welt und auf der Zusammenarbeit mit den andern Großmächten wird Frankreich seine Zukunft aufbauen. Es ist bezeichnend, daß alle Parteien sich einmütig hinter diese Politik gestellt haben.