Die Trennungslinie, die die russische Besatzung- – zone vom deutschen Westen abtrennt, bedeutet neben so vielem anderen auch eine Grenze verschiedener sozialer Entwicklung. Am stärksten tritt uns das vielleicht in der verschiedenen Behandlung eines Problems entgegen, das gewöhnlich unter dem Schlagwort "Bodenreform" umrissen wird. Einst von Adolf Damaschke geprägt, ist dieses Wort zum Banner einer großen sozialen Umgestaltung der Landwirtschaft im deutschen Osten geworden. Wird auch der Westen, von anderen politischen Grundanschauungen ausgehend, diese Bewegung mitmachen? Damit werden Fragen auf? geworfen, die weit über die politische Einstellung hinaus an die letzten Reserven der deutschen Wirtschaft rühren, nämlich an die deutsche Landwirtschaft. In einer Zeit, da es fast um jedes Stückchen Brot geht, erhalten diese Fragen ein besonderes Gewicht.

Wird das Schwergewicht im Westen auf der Reform der Besitzverteilung oder auf einer Änderung der ländlichen Betriebsverfassung liegen?

Im Vordergrund steht Zunächst die Notwendigkeit der Mehrerzeugung an Lebensmitteln überhaupt. "Intensivierung der Betriebe" lautet das Schlagwort. Das soll heißen, daß eine Betriebsverfassung, sowohl im Sachlichen wie im Persönlichen, Betriebsleiter und Arbeitskräfte umfassend, angestrebt werden muß, um die Erzeugung durch äußerste. Anstrengung und beste Ausnutzung auf Höchstleistung emporzuführen Aber das ist nicht das einzige Problem. Neben der Erzeugung steht heute die Frage der ausreichenden Ablieferung. Das gilt zunächst für den eigenen Verbauch als der Menge, die der Landwirt als Selbstversorger zugewiesen bekommt. Die Versorgung der großen Städte hängt nicht nur von der Erzeugung selbst ab, sondern von den Überschüssen, die erzielt werden können.

Neben dem legalen eigenen Verbrauch stehen die vielen Möglichkeiten, die Ablieferung an die Volkswirtschaft herabzusetzen, nicht einmal in dem Sinne, daß der Landesverbrauch selbst gesteigert wird, als daß die Lebensmittel gegen alle Verbote und Ermahnungen auf trüben Kanälen einem Verbrauch zugfeführt werden, für den sie nicht bestimmt sein sollten.

In einer Zeit, die so tauschfreudig ist wie unsere, ist die Versuchung groß Lebensmittel gegen Bekleidung und Schuhzeug und selbst Betriebsbedarf zu tauschen, ganz abgesehen von den Verlockungen des schwarzen Marktes. Wieweit können die landwirtschaftlichen Verhältnisse so ausgebaut werden, daß diese Versuchung auf ein Mindestmaß beschränkt wird?

Ein anderes, heute nicht weniger wichtiges Problem stellen die Ostflüchtlinge, soweit sie aus der Landwirtschaft selbst stammen Sie so schnell wie möglich in die Produktion zurückzugliedern. sie als Betriebsleiter oder auch nur als Landarbeiter recht bald wieder einsetzen zu können, ist eine Aufgabe der deutschen Landwirtschaft. Kann das besser in großen Gutsbetrieben geschehen oder auf Bauernhöfen oder in selbständigen Siedlerstellen oder auch nur in Landarbeiterstellen mit Landzulage?

Nicht nur die Flüchtlinge sollen versorgt werden. Die nachgeborenen Bauernsöhne, die weichenden Erben, wie das deutsche Recht sie nannte dürfen nicht der Landflucht anheimfallen, die uns in den letzten lahrzehnten schon so Viel landwirtschaftliches Blut gekostet hat. Bilder die Schöpfung selbständiger Kleinbauernstellen oder die Einrichtung von Landarbeiterstellen mit Landzulage die richtige Lösung?