Von PETER QUAST

Wenn einer neunzehn Jahre alt ist, will er etwas werden. Das scheint ganz selbstverständlich. Aber es ist sehr merkwürdig. Denn wenn einer etwas werden will, will er jedenfalls etwas anderes werden als das, was er ist. Erst wenn er älter wird, möchte er wieder neunzehn sein. Dasjenige Alter, das jedermann das begehrenswerteste zu sein scheint, ist offenbar ziemlich wertlos für den, der es hat. Einem jeden wird da in seinem Leben ein Wunsch erfüllt, lange bevor er ihn hat.

Nun könnte ja der, der neunzehn ist, sechzig werden wollen, damit er sich wünschen kann, neunzehn zu sein. Und das wäre er ja dann gerade. Aber so weise ist der Mensch wieder nicht. Nur sechzig wird er ganz von selber. Und da ist ihm dann wieder etwas in Erfüllung gegangen, was er sich gar nicht gewünscht hat.

Um nun herauszubekommen, wo da der Fehler liegt, wollen wir erst einmal herauszufinden versuchen, was einer mit neunzehn ist.

Mit neunzehn Jahren ist der Mensch ein Jüngling. Sans doute! Die Antike sowohl wie die Romantik haben den Jüngling als etwas Vollkommenes empfunden und haben ihn gefeiert. Vermutlich würden die Neunzehnjährigen, wenn der Bürgermeister sie zusammenriefe, um ihnen ein Gedicht vorzulesen, das er auf sie gemacht hat, höchst verdutzt sein. Schon daraus kann man ersehen, daß wir weder in einem – klassischen noch in einem romantischen Zeitalter leben. Der Jüngling, in der Tat, obgleich von den größten Dichtern gefeiert, hat etwas Lächerliches. Wir nämlich empfinden ihn durchaus als etwas Unvollkommenes. Will er ein Mann werden, so ist er mit neunzehn jedenfalls erst ein junger Mann. Aber vielleicht will er ein Herr werden, dann ist er mit neunzehn ein junger Herr. Aber möglicherweise ist weder das eine noch das andere sein Ehrgeiz, und er will ein Kerl werden. Dann ist er mit neunzehn Jahren erst ein junger Bursche.

Nun wollen wir aber durchaus nicht die andere Hälfte des menschlichen Geschlechts vergessen. Mit neunzehn Jahren besteht sie aus Jungfrauen, jungen Mädchen, jungen Damen und jungen Dingern.

Eine Jungfrau empfinden wir durchaus nicht als etwas Unvollkommenes. Vom jungen Mädchen hat Schopenhauer schon gesagt, daß es ein Knalleffekt der Natur sei. Womit er zumindest das ausdrücken -wollte, daß da alles dran sei. Junge Damen sind vielleicht ein wenig komisch und junge Dinger ein wenig lächerlich. Aber, wer sähe sie nicht gern?