Zu seiner Kaiserkrönung hatte Napoleon 1. den Papst Pius VIII. nach Paris befohlen. Der korsische Emporkömmling zwang das Haupt der Christenheit, Rom zu verlassen, um ihm bei der Feier zu assistieren, nicht ihn zu krönen; das vollzog er mit herrischer Geste selber. Der Papst, ein einfach gesonnener, sanfter alter Mann, wohnte während seines Aufenthaltes in der französischen Hauptstadt in den Tuilerien. Hier bereitete ihm das Volk begeisterte Huldigungen. Die gleichen Pariser, die vor etwa einem Jahrzehnt den Palast gestürmt und die königliche Familie gefangen hatten, die bei dem heidnischen Fest des "Höchsten Wesens" Robespierre begeistert zugejubelt hatten, standen jetzt eng gedrängt auf den Kais und in den Gärten und warteten, daß sich die Balkontür am Flora-Pavillon öffnen und der Papst heraustreten möge, um sie zu segnen. Solange er noch nicht zu sehen war allerdings, entsannen sie sich sehr wohl ihrer Vergangenheit und brüllten im Chor nach dem Rhythmus von Gassenhäuern der Revolution: Der – Heilige Vater, der – Heilige Vater. Sobald aber die Figur des Greises in seinem weißen Gewand auf dem Balkon sichtbar wurde, sanken sie plötzlich, von Respekt erfüllt, in die Knie, und viele brachen in Tränen aus, wenn die Hand des Papstes langsam über ihnen das Zeichen des Kreuzes machte.

Einmal jedoch, als Pius VIII. segnend durch die Menge schritt, blieb im Hofe ein junger Bursche, ein Soldat der Revolution, aufrecht stehen, kreuzte die Arme über der Brust und sah den Heiligen Vater trotzig an. Die Lage war schwierig: der Papst war nicht Herr in Paris wie in Rom. Das Volk hier hatte vor kurzem noch seine Priester verjagt, wie leicht konnte seine Stimmung umschlagen, wenn etwa die Garden eingriffen, um den jungen Mann zu entfernen. Bevor aber jemand aus seiner Umgebung handeln konnte, ging der Greis auf den Trotzigen zu, hob die Hand und sagte: "Mein Sohn, der Segen eines alten Mannes wird dir nicht schaden." Diese zarten Worte schmolzen das allzu feste Herz des Jünglings. Erschüttert sank er in die Knie. Durch seine Würde, durch die Standhaftigkeit, die er in seiner Schwäche zeigte, hatte der Greis den Widersätzlichen überwunden.