Emil Ludwig hat an den Chefredakteur des "Daily Telegraph" einen offenen Brief gerichtet, der in deutscher Übersetzung so lautet:

Sir, – kein Verbrecher kann sich bessern wenn er nicht zunächst seine Schuld bekennt. Aus diesem Grunde muß in sittlicher Hinsicht die Hauptaufgabe für die Alliierten in Deutschland sein, das deutsche Gewissen zu erwecken. Dem Charakter der Deutschen entsprechend kann dies nur so geschehen, daß man sie zu Respekt und Gehorsam zwingt, sie unter politischer Vormundschaft und Abgeschlossenheit hält und der ganzen Nation erklärt, warum sie für ihre Missetaten verantwortlich ist. Auf diese Weise hätten die Alliierten die Fehler vermeiden können, die sie nach den ersten Weltkrieg gemacht haben.

Statt dessen hat man sich gerade die Politik zu eigen gemacht, vor der zu warnen wir geborenen Deutschen vor dem Ende dieses Krieges in Büchern und Aufsätzen versucht haben: Das freie Geschenk der Demokratie, Wahlen und öffentliche Debatten über Kriegsschuld, über Nazitum und Nazihelden, so als wenn dies alles sich in Frankreich oder Italien abspielte

Einen weit schlimmeren Erfolg aber wird die Tatsache haben, daß man die Deutschen Umfragen abhalten läßt – etwas, woran sie niemals gewohnt waren. Sie sind niemals um ihre Meinung gefragt worden, sondern waren stets gewohnt, Befehle entgegenzunehmen. und sie würden ihr Schuldurteil schweigend schlucken.

In diesem Augenblick völliger Auflösung sind sie sehr verlegen und dankbar, daß die Sieger sie um ihre Meinung fragen – ob Herr Schacht schuldig sei, und ob vielleicht Herr v. Papen nicht ganz so schuldig sei.

Auf diese Weise untergraben die Alliierten ihre Autorität. Da sie dem Unterlegenen das Recht geben, daran zu zweifeln, daß die Anklagen gegen die Verbrecher berechtigt sind, ermuntern sie die alte deutsche Arroganz, die für eine kurze Zeit durch die Tatsache der Niederlage zu Boden gezwungen war, ihr Haupt wieder zu erheben, und sie wird nicht zögern, gegen die Sieger zurückzuschlagen. In diesen "deutschen Umfragen" werden die amerikanischen Soldaten gefragt, was sie über das deutsche Volk, den Führer und seine Armee denken. Etwa 1700 junge Burschen, die ebensowenig geeignet sind, hierauf zu antworten, als es ein Haufen deutscher Emigranten sein würde, wenn man sie über die neue Linienführung der Neuyorke/ Straßen ausfragte, werden öffentlich über Dinge gefragt, die die Sieger mit den Weisen der ganzen Welt zusammen in einem Monsterprozeß zu durchleuchten versuchen.

Dieser sinnlose Zeitvertreib für gelangweilte Zeitungsleser stellt sich als ein Verbrechen heraus, wenn wir uns Zeit nehmen, seinen Resultaten nachzugehen. "Aha", sagen die Deutschen, "diese Burschen, die Amerikaner, beginnen nun einzusehen, daß ihre Anklagen falsch, und wir im Recht waren!"