Die Friedenskonferenz vom l. Mai in Paris ist in Frage gestellt. Die Vorbereitung ihres in Moskau im Dezember 1945 festgelegten Programms, die Friedensverträge mit Italien, Finnland, Rumänien und Bulgarien zu prüfen und festzulegen, wird bis dahin kaum abgeschlossen sein können.

Entsprechend der im letzten Dezember beschlossenen Tagesordnung beraten die Vertreter Englands, der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und Frankreichs immer noch über Punkt 1, die Grenzen mit Italien. Zu groß sind die Probleme, die sich auftürmen, zu schwer ist es, klare, allen Beteiligten zusagende Richtlinien aufzustellen. Über die Kolonien ist gerade erst gesprochen worden. Im Mittelpunkt steht noch die Nordostgrenze, insbesondere der Hafen von Triest.

Die verschiedensten geographischen und schichtlichen Bedingungen wirken zusammen, um klaie Entscheidungen zu erschweren. Triest lebt von Handel des Mittelmeers mit dem Hinterland, nicht mit Italien, und so kam es daß jährhunderte hinlurch das allmächtige Venedig seine Entfaltung lähnte. Dann erwuchs der Hafen aus der Stärkung der Habsburger-Monarchie im Gegensatz zu Italien, von diesem getrennt durch eine politische Grenze, aber die Menschen, die dort den Handel entwickelten oder wenigstens zum großen Teil von ihm lebten, waren Italiener. Die Umgebung jedoch verlarrte im bodenverwurzelten Slawentum. Diese drei Elemente, österreichischer Staat, italienische Oberschicht und slawische Umgebung bilden das eigenartige Gesicht dieser Stadt.

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Für Italien gehörte Triest zur Irridenta, zum "unbefreiten Land", und als 1918 die Doppelmoiarchie zusammenbrach, rückten italienische Truppen unter dem Jubel der Bevölkerung in Triest ein. Die Jugoslawen kämpften damals um einen freien Ausweg zum Meer, aber sie erhielten nicht einmal Fiume, das ihnen von den "großen Drei" in Paris, damals Wilson, Lloyd George und Clemenceau, bereits zugesprochen war. Sie mußten sich unter Procest mit unzureichenden Häfen begnügen, die von Hinterland durch den unwegsamen Karst abgestritten wären.

Der Faschismus hat sich mit den Ergebnissen des ersten Weltkrieges nicht begnügen wollen. Stets predigte er die Lehre, daß Italien um seinen Siegespreis, die Adria, betrogen worden sei. 1945 jedoch erschienen jugoslawische Truppen in Triest, als die deutsche Wehrmacht zusammenbrach und die Sperrlinie nach Südosten aufgab. Erst auf Verlangen der Engländer räumten die Soldaten von Marschall Tito den Hafen, der für die rückwärtige Versorgung der in Österreich stehenden alliierten Truppen unentbehrlich war. Wieder bewies Triest seine Verbundenheit mit dem Alpenland.

Seit jener Zeit ist die Frage Triest ungelöst. Die Räumung erfolgte nicht zugunsten Italiens, sondern der Westmächte. Die Entscheidung über den endgültigen Besitz steht noch offen. Beide Parteien, Italiener und Jugoslawen, ringen um das Herz der Stact. Zur großen öffentlichen Propaganda tritt die unterirdische, das Hineinfließen von treuen Freunden damit sie das eigene Übergewicht stärken. Die Italiener beklagen sich bitter, daß hinzuströmende Jugoslawen das früher stärker italienische Gesicht der Stadt verändern.