Der Leiter der Wirtschaftsabteilung bei der USA-Militärregierung Berlin, Generalmajor Draper, sprach kürzlich in Frankfurt gelegentlich des Zusammentreffens der Leiter der Wirtschaftsverwaltungen aller Länder und Provinzen der britischen und der amerikanischen Zone. "Die maßgebenden industriellen Stellen", so sagte General Draper, "können jetzt bereits mit den Vorbereitungen für die Wirtschaftsplanung beginnen."

Es müsse zunächst; so führte er hierzu aus, Klarheit über den Bedarf an Kohle geschaffen werden. Dann brauche man einen Überblick über die vertäglichen Rohmaterialmengen. Bald werde auch der Bedarf der Besatzungstruppen, soweit er aus dem Lande gedeckt werden müsse, bekanntgegeben werden. Danach könne man übersehen, was der deutschen Bevölkerung verbleibe. In erster Linie müsse die Erzeugung lebenswichtiger Waren wieder in Gang kommen. Weiter sei die Produktion für den Export vordringlich, damit die Lebensmitteleinfuhren durch entsprechende Ausfuhrleistungen abgegolten werden könnten.

Zum Schluß erklärte General Draper, seine Regierung betrachte sich als Bürge für die Durchführung der Potsdamer Beschlüsse, soweit sie die Wiederherstellung eines einheitlichen deutschen Wirtschaftsgebietes angehen. Um die wirtschaftliche Zusammenarbeit der vier Besatzungszonen zu fördern, werde man ein zentrales Büro einrichten.

Mit freudiger Anteilnahme wird die deutsche Bevölkerung diese Erklärungen hören. Es scheint also nun wirklich der Zeitpunkt für eine umfassende Produktionsplanung, für ein Wiederanlaufen der Erzeugung gekommen zu sein. Bisher, steht es ja 10, daß, wie auch General Draper in seiner Ansprache betonte, die industrielle Erzeugung nur einen geringen Bruchteil der Kapazität ausmacht und es nicht nur an Kohle (oder Energie überhaupt) fehlt, sondern ganz allgemein an Eisen und Wahl. Offiziere des USA-Military-Government haben auch erklärt, daß die Industrieproduktion in einem halben Jahre auslaufen werde, falls es nicht zu einer vernünftigen Regelung in der Frage der fehlen-, Eisen- und Stahlerzeugung komme. Der Eisen- und Stahlbedarf der Landwirtschaft, so wurde . in diesem Zusammenhang gesagt, könne zurzeit nur zur Hälfte gedeckt werden. :

Auf einem wichtigen Rohstoffgebiet allerdings kommen nun die Zufuhren in Gang: die USA liefern Baumwolle. Die ersten 100 000 Tonnen, bestimmt zur Fabrikation von Berufskleidung, Decken und Sanden, sind bereits nach Bremen verschifft, Weitere .Transporte werden baldfolgen. Die Bezahlung ist so gedacht, daß durch die Wiederausfuhr von Garnen und Geweben etwa die doppelte Menge an Baumwolle hereingeholt werden kann, wie sie jeweils rohstoffmäßig für die im Veredlungsverkehr hinausgehenden Waren gebraucht wird. Das Geschäft trägt sich also "in sich", vorausgesetzt, daß jeweils die Hälfte der produzierten Garne und Tuche auf Dollarbasis Abnehmer findet.

Während die amerikanische Baumwolle für alle vier Zonen bestimmt ist, beabsichtigt die Sowjetunion, einige Tausend Ballen Baumwolle aus ihren asiatischen Anbaugebieten nach Stettin zu ausschließlichen Verarbeitung in der russischen Besatzungzone zu verschiffen. Vor allem die sächsischen Textilbetriebe sollen bedacht werden. Dabei wird auch hier betont, daß "ganz Deutschland" ein einheitliches Produktions- und Wirtschaftsgebiet bleiben müsse.

Mit dieser aus westlichen und östlichen Quellen gespeisten Zufuhr an textilen Rohstoffen, die nun in Kürze einsetzen wird, ist endlich so etwas wie ein Start für das Anlaufen der Verbrauchsgüterproduktion gegeben. Es mag so erscheinen, als ob es reichlich lange gedauert hätte, bis nun endlich die mit Recht zu bevorzugenden Konsumenten – Berufstätige, Schwerarbeiter vor allem, dann die Mütter kleiner Kinder – wieder auf eine Belieferung ihrer Bezugscheine für Wäsche verschiedenster Art rechnen können. Aber man bedenke, daß auch im Siegerlande Frankreich die Produktion an baumwollenen Verbrauchswaren erst im April oder Mai so weit angelaufen sein wird, daß sich das Angebot für die breite Masse der Konsumenten bemerkbar machen kann. n. f.