Das Transportproblem ist der entscheidende Hebel für den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft. Diese Erkenntnis hat wohl auch Pate gestanden, als die Militärregierung den Kraftfahrzeugfabriken in der englisch besetzten Zone den Auftrag gab, mit allen verfügbaren Mitteln die Friedensproduktion anlaufen zu lassen. Mit der Fertigung von Fahrzeugen wurden fünf Fabriken beauftragt, und zwar die Büssing-NAG in Braunschweig, die Ford-Motorenwerke in Köln, die Hannoversche Maschinenbau AG vorm. Georg Egestorff (Hanomag) in Hannover, die Firma Vidal & Sohn in Harburg-Hamburg und die Wolfsburger Motorenwerke (Volkswagenwerk) in Fallersleben. Von diesen Werken wurden im April 1945 insgesamt 50 Fahrzeuge hergestellt, im Mai 147, im Juni 552, im Juli 711 und im August 663 Fahrzeuge. Mit dem 1. September vorigen Jahres wurde aus Veranlassung der Militärregierung und unter ihrer Mitwirkung ein Produktionsausschuß der Automobilindustrie errichtet, der im wesentlichen die Aufgabe hat, die Automobilindustrie bei der MR zu vertreten, einheitliche Regelung für gemeinsame Interessenfragen herbeizuführen und die Mitglieder bei der Durchführung der Produktion zu unterstützen.

Aus der erkannten engen Bindung zwischen Kraftfahrzeug und wirtschaftlicher Intensität heraus hat die Militärregierung die planmäßige Vorbereitung einer sich steigernden Kraftfahrzeugproduktion angeordnet. Der Gesamtplan für die Monate September bis Dezember 1945 sah die Fertigstellung von insgesamt 11 423 Fahrzeugen vor. Die im Laufe der Zeit eingetretenen Schwierigkeiten in der Energieversorgung, also zunächst weniger der Materialfrage wegen, ließen das Fabrikationsprogramm mit 5530 Fahrzeugen nur etwa zur Hälfte zur Durchführung kommen. Die Produkion wurde gegenüber den vier Monaten April bis August (2123 Fahrzeuge) jedoch mehr als verdoppelt.

In einzelnen wurden vom 1. September bis 31. Dezember 1945 folgende Produktionszahlen errecht: Büssing-NAG 647 (Planung: 1150) Fahrzeuge, davon 622 5-t-LKW und 25 Autobusse, Ford-Werke 1578 (2505) 3-t-LKW, Hanomag 493 (800) 40-PS-Acker-Schlepper, 118 (165) 100-PS-Straßen-Schlepper und 50 (353) 8-t-Anhänger, Vidal & Sohn 709 (1800) 0,75-t-Dreirad-LKW, Vollswagenwerk 1935 (4650) Fahrzeuge. Das Produktionsprogramm der letzteren war bis zum Jahresende 1945 vielfältig; es umfaßte zwei Typen von 0,5-t-LKW, zwei Typen von Limousinen und einen Anhängertyp. Die Fertigstellung von Limousinen blieb mit 753 weit hinter der Planung von 3500 zurück. Neben der Energieversorgung traten im Laufe der Zeit Schwierigkeiten auch bei der Beschaffung von Kraftfahrzeugteilen und -zubehör auf, da diese Industrie zu über 80 v. H. im russisch und amerikanisch besetzten Gebiet beheimatet ist. Gewisse Fertigungen wurden zwar in das britische Gebiet umgelagert, der Ausfall konnte jedoch nicht wettgemacht werden, und der Weg des Austausches war entgegen den Erwartungen nur in sehr beschränktem Umfange möglich.

Dieser schwieriger gewordenen Situation wurde zwar zu Beginn des neuen Jahres bei der Planung für das Produktionsprogramm der ersten sechs Monate 1946 Rechnung getragen, aber selbst das herabgesetzte Produktionssoll von insgesamt 20 925 Fahrzeugen bis 30. Juni 1946 hat sich bereits heute als undurchführbar herausgestellt, in der Hauptsache bedingt durch die Entwicklung auf dem Eisen- und Stahlsektor. Während z. B. für Dezember 1945 die Planung mit 4020 Fahrzeugen vorgesehen war, ist man im Januar 1946 schon viel bescheidener geworden und auf 1800 Fahrzeuge zurückgegangen. Fertiggestellt wurden jedoch nur 1163 Fahrzeuge, und zwar von sechs Fabriken, nachdem die Borgward-Werke in Bremen mit einer Produktion von 105 LKW (3 t) im Januar in das Fertigungsprogramm miteingeschaltet wurden. Den Hauptausfall gegenüber der Planung verursachte das Volkswagenwerk mit nur 75 (500) Limousinen und Büssing-NAG mit 177 (400) LKW. Für den Monat Februar ist eine Produktion von 2530 Fahrzeugen vorgesehen, für März 325 5, im April sollte die Fertigung auf 3950, im Mai auf 4620 und im Juni auf 4770 Fahrzeuge anwachsen. Sollten sich allerdings die zurzeit bestehenden Engpässe nicht grundlegend bessern, so dürften nicht nur die Planungs-, sondern sogar die derzeitigen Produktionszahlen nicht gehalten werden können. Di.