Der Güterzug fuhr am Dienstagnachmittag um 5 Uhr ab — den Berg hinauf. Die Lokomotive keuchte, das Öl stank, das Wasser brodelte, und die Kohlen bullerten.

Schnaufer um Schnaufer kämpfte sich die Lokomotive nach oben und schleppte den langen, langen Güterzug hinter sich her. Als der Weg eine Biegung machte, und als das Schnaufen und Stampfen nun etwas gleichmäßiger und schneller wurde, konnte es sich die Lokomotive nicht verkneifen, einen Blick hinter sich zu werfen. Sie wollte sehen, was sie alles an Last den Berg hinaufzog. Ein flacher Wagen, der knatterte, er war voll von Brettern, die grell in der Sonne waren, und die schwitzten — danach ein Wagen, auf dem landwirtschaftliche Maschinen schepperten, deren Stahlteile in der Sonne glitzerten — dann ein hoher grauer toter Blechwagen mit Dach: "Frische Fische" stand darauf — und dann viele rote geschlossene Wagen, die irgendwo weggeschleppt waren: Liege und Lyon, Paris und Belgrad — Amsterdam und Milano und — mit heller runder Plane bespannte Wagen der Bremer Wollkämmerei Blumental i. H, aber anstatt Wolle lagen unter der Plane dicht an dicht Maschinengewehre, sie zeigten ihre frischgeölten Zähne — und dann kamen Wagen voll Heu mit einem Querbalken darüber, um es festzuhalten, und dann kam ein Postwagen mit einer geöffneten Tür. Die Lokomotive zog nun ganz stetig und langsam an, damit sie noch eine Weile in die Postwagen schauen konnte — es mochten auch Viehwagen sein mit einer eisernen Schiebetür in der Mitte, einer und noch einer und noch einer. Soldaten, grau und unfruchtbarer Erdkruste gleich, saßen teilnahmslos auf Stroh und ließen sich schütteln — müde wie sie waren. Und es nützte ihnen gar nichts, und es tröstete sie nicht, daß es Mode war, das kleine Schiffchen auf das linke Ohr zu ziehen und sich eine gewisse unternehmende Verwegenheit vorzutäuschen — und dazu das Haar abzuscheren rund um den Kopf ganz knatterkurz und nur oben ein kämpferisch hochstehendes Brötchen! Die Soldaten waren grau und verzweifelt.

Sie durften nicht seufzen, das war verboten. Sie durften nicht fragen, das war verboten. So waren sie alle erleichtert, daß das Keuchen und das Seufzen die Lokomotive für sie tat. Hinter dem Soldatenwagen kam der letzte Wagen. Er war offen, ohne Dach — er war voller Kälber mit rosa Schnäuzchen, die zur eisernen Ration der Soldaten gehörten. Sie fuhren mit in die ferne große Stadt jenseits der schwarzen Berge. Als die Lokomotive, die jetzt heiß und emsig war, bis in diesen Wagen Nummer 41 gucken konnte mit ihren großen schillernden Augen, da sah sie ein Kälbchen, das hatte sich aus der Reihe gelöst, es hatte einen Ausweg unter den Stricken gefunden und streckte den dicken Kopf mit den rosa Nüstert in die Tiefe.

Da roch es Wiesen voll von Habermat und Salbei — die Lokomotive hielt den Atem an — langsamer hoppelten alle einundvierzig Wagen — mühsam — und ohne da? die anderen Wagen, die Soldaten und der schnauzbärtig Führer auch nur das geringste merkten, sprang das Kälbchen unter dem Strick durch aus dem Wagen und blieb verdutzt über den Erfolg seines Wagemuts mitten in der fruchtbaren Wiese stehen.

Die Lokomotive tat so, als habe sie nichts gesehen. Sie drehte die Augen schnell nach vorn und keuchte weiter. Das Wasser kochte, das Feuer bullerte, Funken stoben aus dem Schornstein, mit einem triumphierenden Schrei warf sich die Lokomotive auf der ändern Seite den Berg hinunter.