Was regt die Beschauer so auf, wenn sie vor Picassos neuesten Bildern stehen?

Daß er alle Konventionen umwirft – nicht nur in den Stilleben, sondern ganz besonders in seinen "Porträts" –, daß er die Fratze unserer Zeit künstlerisch gestaltet.

Picassos Spätwerk ist nur aus seiner bewegten Entwicklung und seinem Verhältnis zu den geistigen Problemen der Gegenwart zu verstehen. Es ist sicherlich ein taktischer Fehler, Picassos neueste Bilder ohne die in der ganzen Welt seit mehr als dreißig Jahren anerkannten Werke seiner Vergangenheit einem unvorbereiteten Publikum zusammenhanglos zu zeigen – wie ein Kritiker in der "Times" richtig feststellt.

Picasso selbst nimmt allen ungerechten Kritiken den Wind aus den Segeln mit seiner Äußerung: "Ich verstehe kein Englisch. Ein englisches Buch ist deshalb für mich ein ungeschriebenes Buch. Das heißt aber nicht, daß die englische Sprache nicht existiert; und warum sollte ich irgend jemand außer mich selbst dafür tadeln, daß ich nicht ver-– stehen kann, wovon ich nichts weiß?"

Der Sturm über die Picasso-Ausstellung im Londoner Victoria- und Albert-Museum war noch nicht abgeflaut, da begann bereits eine neue Kontroverse in der Presse über die Werke Paul Klees, die gegenwärtig in der Nationalgalerie gezeigt werden. Offenbar erregten Klees Bilder aus den letzten dreißig Jahren beim englischen Publikum das gleiche Aufsehen wie Picassos neueste Schöpfungen.

Paul Klee, der gebürtige Schweizer, war zehn Jahre lang Lehrer am Staatlichen Bauhaus in Weimar und Dessau und seit 1931 Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf, bis er von den Nationalsozialisten seines Postens enthoben wurde. Unter Hitlers Kunstdiktatur kehrte er in die Schweiz zurück, wo er während des Krieges starb. Sein Werk bildet einen wesentlichen Bestandteil der europäischen Malerei des zwanzigsten Jahrhunderts. Bedeutende Bilder von Klee wurden im Dritten Reich als "entartete Kunst" ausgestellt. Die geretteten Bilder hängen jetzt zum Teil in ausländischen Galerien.

Wie auch im Falle Picasso zeigt sich in den Besprechungen der Werke von Paul Klee, daß demokratische freie Meinungsäußerung letzten Endes den stärksten Argumenten zum Siege verhilft. Alle Angriffe gegen Klee und die moderne – nachimpressionistische – Malerei überhaupt, werden durch einen Brief des Kunstkritikers Douglas Cooper an den Herausgeber der "Times" entkräftet, in dem er die Bilderstürmer zurechtweist, die Klee und Picasso verbieten möchten. Douglas Cooper skizziert Klees Bedeutung für die Kunst des westlichen Europas und schließt seinen Brief an die "Times" mit den Worten: