"Wo lebt Ihr Mann?"

Achselzucken. Dann als Antwort die Frage: "Ob er wohl noch lebt, mein Mann?"

"Sie können nicht in Hamburg bleiben. Sie sind zu früh weggegangen damals. Sie gingen im August. Aber der 1. September 1939 ist der Stichtag."

Die Frau, den Tränen nahe, wehrt sich: "Wo ist da der Unterschied? Doch nur ein paar Tage! Und ich bin doch Hamburgerin, hier getauft und aufgewachsen!"

"Wo wurden Sie von Goslar aus eingewiesen?"

"In die Gegend von Uelzen!"

Der Beamte mit der Stimme eines Arztes, der in einem unabänderlichen Fall trösten möchte und doch sachlich bleiben muß: "Sie müssen dorthin, zurück. Ich habe meine Vorschriften. Hamburg ist gesperrt. Oder – sind Sie ein ,Mangelberuf‘...?" Der feine Herr in dem pompösen Pelzmantel und Velourshut, der vor dem Tisch des Beamten steht und zerkniffte Papiere aus einer picknoblen Brieftasche zieht, wird nach ein paar Worten so zuvorkommend und glatt bedient, daß einer im zerschlissenen Übergangsmantel, der hinter ihm in der Schlange daran kommt, halblaut murmelt: "Ja, die feinen Herren..." Aber das ist ein Irrtum. Es handelt sich zwar um einen Diplomingenieur, aber die Verhältnisse liegen anders.