In einer Zeit, da alle Werte zweifelhaft geworden sind, da der Boden, auf dem wir stellen, schwankend und gleitend scheint, in einer Zeit seelischer und materieller Not brauchen wir einen moralischen Halt, eine Anleitung, die uns führt und festigt. Gegen die Gefahr des Hinabsinkens in Stumpfsinn und Verzweiflung, der müden Ergebung in ein übermächtiges Schicksal wie der sinnlosen Ablehnung jeder Hoffnung und damit jeder moralischen Anstrengung brauchen wir eine Hand, die uns erfaßt und leitet. Geistige Kräfte müssen freigemacht werden, um die Strauchelnden zu stützen, die Sinkenden hinaufzuheben zur tätigen Bereitschaft des Lebens und die ins moralische Chaos Hinabgesunkenen zurückzuführen in die menschliche Gemeinschaft. Gerade weil wir kaum materielle Vorteile bieten können, müssen aus dem Inneren, aus dem Geistigen die Werte hervorquellen, die das Leben wieder lebenswert gestalten können. Wo aber finden wir diese Werte?

Aus der Erkenntnis allein können sie nicht erwachsen. Es gilt heute weniger, eine Summe von Wissen zu erwerben, das uns im täglichen Leben nützen könnte, wie das Grundwissen überhaupt zurückzugewinnen, das wir verloren haben. Das aber ist das Wissen vom Unterschied von Rech und Unrecht, von Gut und Böse, von Mein um Dein. Trockene Lehre allein nützt da wenig, da die wahren Maßstäbe uns verlorengegangen sind Wir müssen unser Verhältnis zu den Menschen und der Welt und damit zu Gott auf eine gesund Grundlage stellen. Aus der grenzenlosen Ichsuch heraus, die nur die eigene Person kennt, müsse wir zurückkehren zur grundsätzlichen Einstellung daß wir nur ein Glied einer größeren Gemein schalt sind, gebunden und verpflichtet höherer ewigen Gesetzen und Werten. Woher kann aber diese tiefe Einsicht erwachsen?

Für den Christen entspringt das Verhältnis zu den Mitmenschen, den "Nächsten", nach dem Wort der Heiligen Schrift, aus dem Verhältnis zu Gott, bestimmt durch das Vorbild und den Opferto Christi. Da alle Menschen Kinder Gottes sind mehr noch also als nur Ebenbilder Gottes, ergib sich von selbst für den Christen eine Einstellung zu den Menschen überhaupt, die jenseits von Haß und Feindschaft und Vernichtungswillen steht. Das Wort "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" schließt Rache und Vergeltung aus.

Menschen dieser Gesinnung sind auch die Geistlichen von Trinity House in Hamburg, die jetzt aus christlichem Geiste der deutschen Jugend die Hand zur seelischen Gesundung entgegenstrecken. Die von ihnen ins Leben gerufene Bewegung deutscher Kreise wird der Jugenderziehung in der kommenden harten Zeit einen starken Auftrieb geben können, weil sie getragen wird von Kräften, die jenseits des Kampfes der Parteien und der Tagesfragen stehen. Hier wird ein Samenkorn gelegt, das sicher berufen ist, zu einem gewaltigen Baum der christlichen Menschenliebe emporzuwachsen und der gequälten, von Zwietracht und Streit erfüllten Menschheit den seelischen Frieden und den Glauben an die Zukunft wiederzugeben. Wenn es uns gelingt, diese seelischen Werte unserer Jugend zurückzugeben, der wir sonst nichts mehr zu bieten haben, dann haben wir ihr wenigstens etwas von dem zurückgewonnen, was ihr verlorenging.