Von Jan Molitor

I.

Als der 17jährige Wilfried B. auf dem Puffer zwischen zwei hochbeladenen Wagen des Güterzuges in die Station Winsen einritt, spürte er einen hart zupackenden Griff am Unterarm-, im nächsten Augenblick hatte er den Asphalt des Bahnsteiges unter seinen Füßen. Und vorerst war an Weiterfahrt nicht mehr zu denken ...

Als der 18jährige Paul G. sich intensiv bemühte, in einem Dorf bei Lüneburg ein verirrtes Huhn einzufangen – ob aus Tierliebe oder Hunger, bleibt dahingestellt –, faßte eine schwielige Bauernhand nach seinem Rockkragen, und Paul saß fest...

Als der 19jährige Günter M. an der Straßenkreuzung vor dem Flecken Amelinghausen infolge Entkräftung zusammenbrach, nahm sich ein vorüberradelnder Polizeibeamter seiner an. Er wurde auf einen Bauernwagen geladen, und zunächst war für ihn gesorgt ...

Als der 18jährige Arne T. gemeinsam mit dem 16jährigen Friedel L. dabei war, unweit von Winsen eine Kartoffelmiete aufzuhacken, wurden sie von zwei Knechten überrascht, die einen nächtlichen Wachdienst organisiert hatten, und nicht mehr losgelassen ...

Als der 16jährige Werner Z., der tagelang in Hamburg ohne, nennenswerten Erfolg von Tür zu Tür gebettelt hatte, endlich mutlos auf dem Bahnhof Harburg stand und nicht aus noch ein wußte, las er mit tränenfeuchten Augen ein Plakat, in dem ihm Unterkunft, Verpflegung, Arbeitsvermittlung und jegliche Hilfe versprochen wurde. Überschrift: "Heim und Werk." Er pilgerte noch am selben Abend los, obwohl es Bindfäden regnete ...