Kardinal Clemens August Graf Galen ist gestorben. "Weder durch Lob, noch durch Zwang", hieß sein Wahlspruch, ein Ritter zwischen Tod und Teufel; ist er seinen Weg durchs Leben gegangen. Für das deutsche Volk wird er immer der Bischof von Münster bleiben. Wir, die wir fern seiner Diözese lebten, erfuhren von ihm zuerst durch Hörensagen, durch Abschriften, die von Hand zu Hand gingen, durch Blätter, die wir selber vervielfältigten, die wir uns gegenseitig aus der Hand rissen, die wir bei Freunden verbargen, wenn wir verreisten. Ein Kirchenfürst war aufgestanden, um einer Gewalt, die soviel Schrecken und Macht in sich vereinigte, wie kaum je eine in der Geschichte Europas, sein Wort entgegenzustellen, das Wort eines adligen Mannes und furchtlosen Gottesstreiters. Unrecht war geschehen, das Menschen anging, für die er verantwortlich war, geistliche Orden waren aus ihren Klöstern vertrieben, Schwachsinnige und Kranke, Brüder in Christo, waren umgebracht worden, Irrlehren gefördert und der christliche Glaube unterdrückt. Von der Kanzel herab predigte er gegen die Machthaber; in Briefen, die Satz für Satz eine Züchtigung waren, verwahrte er sich gegen die Befehle der Regierung, Briefen, die an Meißner, Himmler und andere Kreaturen Hitlers gerichtet waren und für deren Verbreitung er Sorge trug. Es haben viele für ihn gebetet, Katholiken und Protestanten, kein Wunder, daß sein Ruf bald zur Legende wurde. Das deutsche Volk hat heimlich immer ein Gefühl gehabt, wohl im Bewußtsein seines Unausgeglichenseins, daß es eines besonderen Behüters und warnenden Geistes bedürfe, der es bewahre vor den wüsten Gesellen des wilden Jägers, und hat so die Gestalt des getreuen Ekkeharts erfunden. So hat es den Grafen Galen immer gesehen, und in den Worten der letzten großen Predigt, die er nach der Kardinalsweihe in Rom in der Kirche Sta. Maria del Anima gehalten hat, fand er dieses Bild in schöner und zu Herzen sprechender Form aufs neue bestätigt. "Wir beschwören die Welt, die Gewalt abzulegen und das Reich des Rechtes dafür zu setzen, das jedem das Seine gibt, auch der deutschen Nation." – "Wir müssen stolz sein, in dieser Zeit großer. Ereignisse zu leben. Gutes und Böses ringen miteinander einen gigantischen Kampf. Niemand hat das Recht; dabei lau zu sein."

Mahnung sollen uns diese Worte sein, Mahnung, alle Menschenfurcht von uns zu tun und endlich, nach zwölf Jahren des Versteckens und Verbergens, Zeugnis abzulegen für das Recht. Heute wissen wir, was wir durch feiges Zagen verloren und was Graf Galen uns durch sein Beispiel vorgelebt hat.