Daß wir mit Kriegsende vor die Aufgabe gestellt sein würden, die Trümmer unserer zerstörten Städte aufzuräumen und aus dem Schutt die Bausteine für den Wiederaufbau zu gewinnen, das war für jeden Einsichtigen seit Jahren deutlich zu erkennen. Und seit fast einem ganzen Jahr steht dieses Problem in seinem vollen Umfang vor uns.

Fragen wir aber nun den Fachmann, was auf diesem Gebiet, das sozusagen das typische, klassische Problem des Wiederaufbaues darstellt, an allgemeinverbindlichen Grundsätzen, speziell auch in Zusammenarbeit mit den Besatzungsmächten, erarbeitet worden ist, so ergibt sich ein geradezu betrübliches Resultat. Noch ist alles im Stadium des Vorbereitens und des Experimentierens.

Natürlich gibt es auch hier Leute, die, mehr technisch als wirtschaftlich denkend, sogenannte großzügige Lösungen im Schubfach liegen haben. Sie übersehen nur leider, daß die projektierten großzügigen Anlagen angesichts des Mangels an Eisen und Stahl nicht gebaut, angesichts des Mangels an Kohle nicht betrieben werden können; sie übersehen ferner den empfindlichen Mangel an Arbeitskräften, der alles Geplante verzögert.

Die Stunde der großzügigen technischen Lösungen ist wohl erst dann gekommen, wenn das USA-Kapital und die nordamerikanischen Techniker erkannt haben, daß hier auch für sie reizvolle Aufgaben vorliegen.

Der Fachmann rechnet im Vier-Zonen-Deutschland, bei einem Vorkriegsbestand von etwa 15 Millionen Wohnungen, mit 4 bis 4 1/2 Millionen zerstörten Wohnungen, während weitere 3 bis 4 Millionen für die Umgesiedelten gebaut werden müßten: Gesamtbedarf also etwa 8 Millionen Wohnungen.

Demgegenüber stehen, die Trümmermassen, die auf 400 Millionen Kubikmeter "Festmasse" geschätzt werden. (In lockerer Schüttung beansprucht jeder Kubikmeter "Festmasse" etwa 1,4 Kubikmeter Raum.) Die Kosten für das Räumen des Schuttes sind, bei Sätzen, die heute zwischen 6 RM (Hamburg) und 20 RM (Berlin) je Kubikmeter lose Masse liegen, insgesamt, unter Annahme eines verstärkten Einsatzes maschineller Hilfsmittel, auf 2,5 Milliarden RM zu veranschlagen; 140 000 Menschen würden zehn Jahre hindurch voll mit der Beseitigung der Trümmer zu tun haben.

Da ein Teil dieser gewaltigen unproduktiven Tätigkeit nun unmittelbar produktiv ausgestaltet werden kann, durch Verwandlung von Schutt in Baumaterialien, sind die Lasten nicht ganz so drückend, wie es nach den Zahlen zunächst erscheinen mag. Aber noch sind, trotz des Vorliegens technisch einwandfreier Lösungen, keine in wirtschaftlicher Beziehung voll befriedigenden und allseits anwendbaren Verwertungsverfahren entwickelt; noch wird der Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Großstädten, des Vier-Zonen-Gebietes von gelegentlicher privater Initiative getragen, anstatt eine vordringliche Angelegenheit der staatlichen Lenkung und der verwaltungsmäßigen Zusammenarbeit zu sein.