Fern von den Kriegsschauplätzen der Geschichte, ja jenseits der Bedingungen, die bisher als Voraussetzung irgendwelcher Kampfhandlungen angesehen wurden, vollzieht sich in diesen Tagen ein eigenartiges Kriegsspiel. Im nördlichen Kanada, in der Arktis, dazu noch im Winter oder mindestens im anbrechenden Frühling, führen kanadische Truppen das Unternehmen durch, das den Decknamen "Unternehmen Moschusochse" trägt.

Während des Krieges machten die kanadischen Streitkräfte zwei Manöver mit Schneeschuhtruppen. Es waren die Unternehmen "Eskimo" und "Polarbär". Das eine ging in die Prärien von Saskatchewan und sollte eine Prüfung für Menschen und Material sein in einer Zone mit ausgesprochen trockener Kälte. Das andere Unternehmen ging in die Berge Britisch-Kolumbiens und galt einer entsprechenden Probe in nasser Kälte und schwerem Schnee. Wertvolle Erfahrungen wurden gesammelt. Sie sind ausgewertet in der militärischen Expedition, die in diesen Tagen ihre nördlichste Wendemarke an der Cambridge-Bay auf der Victoria-Insel erreicht hat, nicht mehr als tausend Meilen vom Nordpol entfernt.

Am 14. Februar dieses Jahres startete eine kleine Gruppe von 45 ausgesuchten Offizieren und Mannschaften der kanadischen Armee zu ihrer langen Reise. Ihnen hatten sich angeschlossen zwei Offiziere der britischen Luftwaffe, zwei Offiziere der US-Armee sowie die Luftwaffen-Attachés von Peru und Chile. Ausgangspunkt war die Stadt Churchill am Westufer der Hudson-Bay. Die Marschroute zeigt zunächst nach Nordosten zur Victoria-Insel, biegt dann nach Südwesten ab bis zum nächsten Brechpunkt Norman Wells am Mackenzie-Fluß und verläuft weiter in einem großen Bogen südostwärts bis Edmonton im Staate Alberta. Dort soll die Expedition am 5. Mai abgeschlossen werden.

Zweck dieses Unternehmens ist die Materialprobe von Fahrzeugen, vor allem des Motorschlittens, bekannt unter dem Namen "Snowmobile". Es ist ein Fahrzeug, das eigentlich für die geplante Invasion kanadischer Truppen in Norwegen bestimmt war. Außerdem soll der Nachschub für die Bodentruppen aus der Luft geübt werden und die Zusammenarbeit zwischen Luftwaffe und Landheer unter arktischen Verhältnissen. Spezialarbeiten gelten der Navigation und dem Orientieren in einem Gelände, in dem die normalen magnetischen Kompasse nicht zu gebrauchen sind.

Das kanadische Verteidigungsministerium erklärte offiziell, das Unternehmen "Moschusochse" diene dazu, die Möglichkeit für militärische Operationen während des Winters in der arktischen Wetterzone zu prüfen. An zuständigen Stellen war erkannt worden, daß der Gürtel des Polareises in Zukunft nicht mehr ein unüberwindlicher Schutzwall für Kanada sein wird. Berichterstatter, die Einzelheiten erfahren wollten, mußten sich mit einem geheimnisvollen Lächeln begnügen und mit der Gegenfrage: Wie denken Sie darüber? Nur ein Kabinettsmitglied sagte, ohne die Frage der Atomenergie zu berühren: "Wir wissen alle, daß eine Invasion, wenn sie überhaupt erfolgen sollte, nur vom Norden kommen kann, nicht vom Süden. Wir müssen fertig sein. Und wir müssen in der Lage sein, in der Kälte zu leben, zu arbeiten und zu kämpfen." Das Unternehmen "Moschusochse" wird reichlich Gelegenheit dazu geben, sich vorzubereiten.

Inzwischen hat die kleine Expedition mit ihren zwölf "schneegängigen" Fahrzeugen die erste Etappe hinter sich. Sie ist jetzt mit wissenschaftlichen Arbeiten in der Nähe des magnetischen Pols beschäftigt.

Während der ganzen Reise ist die Marschkolonne durch fünf Dakotas versorgt worden. Meistens mußten die Lebensmittel und der Treibstoff mit Fallschirmen abgeworfen werden, weil keine geeigneten Landeplätze zur Verfügung standen. Auch die Radar-Geräte konnten dabei ausprobiert werden, um den jeweiligen Standpunkt zu orten. Außerdem wurden noch drei Flugzeuge mit einem Kufenfahrwerk benutzt für besondere Zwecke.