Das Schicksal des Wertpapier- oder Giro-Bammeldepots bewegt heute alle, die Gelder und Ersparnisse in Wertpapieren angelegt haben. Ursprünglich bewahrte man die Wertpapiere – die aus Mantel und Bogen bestehenden Stücke – selbst auf oder deponierte sie bei einem Bankier oder bei der Geschäftsstelle einer Bank. Das letztgenannte Verfahren bot Schutz gegen Diebstahl oder Zerstörung und hatte zugleich den Vorteil, daß der Bankier die Verwaltung, z. B. die Trennung von Zins- oder Dividendenscheinen, die Ausübung von Bezugsrechten usw., übernahm.

Mit der erheblichen Zunahme, die das Wertpapier -Material nach dem ersten Weltkrieg erfuhr, entstand der Wunsch nach Vereinfachung des Depot-Geschäfts. Es entwickelte sich das Girosammel-Depot, das zunächst juristisch stark umstritten war. sich aber doch durchsetzte, obwohl bis 1937 eine gesetzliche Regelung fehlte. Das Depot-Gesetz von 1937 brachte diese und legitimierte zehn private Wertpapiersammel-Banken, die sogenannten Kassenvereine, die sich zumeist an den Börsenplätzen befanden.

Der Unterschied des Girosammel-Depots vom gewöhnlichen Streifband-Depot ist grundsätzlicher Art. Beim letztgenannten hat der Verwahrer die für den Kunden gekauften oder ihm übergebenen Wertpapiere für jeden einzelnen Deponenten gesondert – unter Streifband – aufzubewahren; der Kunde bleibt Eigentümer bestimmter Stücke und bestimmter Nummern. Beim Girosammel-Depot überträgt der Bankier die Stücke auf die Wertpapiersammel-Bank: das Eigentum des Kunden wird dadurch zwar nicht berührt, aber dieser hat nur Anspruch auf Rücklieferung desselben Nennbetrage?. Dieselben Nummern kann er nicht zurückverlangen.

Weiter bilden sämtliche Wertpapiersammel-Banken eine wirtschaftliche Einheit mit der Wirkung, daß das sogenannte Miteigentum des Kunden sich nicht auf den Sammelbestand einer bestimmten Wertpapiersammelbank beschrankt, sondern daß sich seine Quote auf den Gesamtbestand aller, deutschen Wertpapiersammel-Banken bezieht. Mithin war es zunächst gleichgültig, bei welchem Kassenverein die Wertpapiere lagen; Verluste bei einem Kassenverein, für die vor dem Krieg nur eine theoretische Möglichkeit, als Folge von Unterschlagungen usw., bestand, hätten in dem betreffenden Papier alle Berechtigten aller Wertpapiersammelbanken mit einem entsprechenden Anteil in Mitleidenschaft gezogen. Hinzuzufügen ist noch, daß die Wertpapiersammel-Banken nur mit den ihnen angeschlossenen Kreditinstituten im Sinne des Kreditwesengesetzes arbeiteten, daß also Privatpersonen keine Direktdepots bei einer Wertpapiersammelbank unterhalten konnten.

Im Kriege wurden die auf Vereinfachung des Wertpapierverkehrs abzielenden Bestrebungen fortgesetzt. Die Wertpapier-Sammelbanken wurden ausnahmslos von der Reichsbank übernommen, womit der einheitliche Charakter des Giro-Sammelsystems noch deutlicher hervortrat. Auch festverzinsliche Wertpapiere – also Industrie-Obligationen und Pfandbriefe – werden unter gewissen Voraussetzungen im Giro-Sammelverkehr einbezogen. Die Massenproduktion von Reichsschatzanweisungen führte zu der Verordnung vom 31. Dezember 1940, wonach nicht einmal mehr die Wertpapiersammelbank den Bestand ihrer Sammeldepots in Reichsanleihen in effektiven Stücken zu halten brauchte, sondern hierfür nach Maßgabe der technischen Möglichkeit auch Globalstücke des Reiches verwenden durfte.

Das Reich brauchte also die sehr großen Schatzanweisungsausgaben nur noch zu einem Teil auszudrucken. Zur Arbeitsvereinfachung drängte die Reichsbank weiter auf Beseitigung kleiner Stücke, vor allem der 100-RM-Aktien, für die die Gesellschaften Globalurkunden über hohe Summen – 100 000 RM und höher – liefern mußten. Große Neuemissionen durften auch in Stücken zu 1000.RM nicht mehr völlig ausgedruckt, sondern mußten in der Hauptsache in Sammelurkunden von je 1 Mill. Reichsmark, die einen entsprechenden Nummernblock darstellten, geliefert werden.

Die Pläne der radikalsten Reformer zielten auf völlige. Beseitigung der effektiven Stücke ab und wollten diese auch für Aktien durch lediglich buchmäßig dargestellte Ansprüche ersetzen. Dazu ist es aber nicht mehr gekommen. Dagegen machte die Konzentration der Stücke in Berlin immer weitere Fortschritte, da ständig wachsende Wertpapiermengen von den Provinzplätzen zur Reichsbank nach Berlin verlagert wurden. Die damit verbundene Arbeitsleistung überstieg bald die Kräfte der Berliner Reichsbank, die in den letzten Kriegsmonaten den zunehmenden Auslieferungswünschen nur zu einem kleinen Teile genügen konnte, so daß zahllose Auslieferungsaufträge unerledigt geblieben sind.