Die schönste und bedeutendste Ausstellung, die heute in Deutschland gezeigt wird, findet statt – es klingt wie ein Witz, aber vielleicht ist es ausgleichende Gerechtigkeit – in Hitlers "Haus der Kunst" in München. An Stelle der Jahresparade der Unzulänglichen ist eine Auswahl des Besten getreten, was im 15. oder 16. Jahrhundert auf dem Boden gewachsen ist, der heute "Bayern" heißt, also neben der altbayrischen auch fränkische und schwäbische Malerei. Aber nicht um Heimatkunst im engen Sinne handelt es sich, sondern um edelstes, übernational gültiges Kulturgut, "angeweht von allen günstigen Winden, die sein Gedeihen fördern konnten, und damit das Entstehen aller hohen Kultur kennzeichnend, die aus Eigenem und Fremdem sich formt und im glücklichen Ausgleich der beiden Elemente zur individuellen, aber zugleich allgemeinverbindlichen Leistung sich erhebt". (Hanfstaengl.) Mit neun Werken steht Dürer im Mittelpunkt, keiner der bekannten Namen fehlt, vom älteren Holbein zu Burgkmair, Altdorfer, Strigel, Zeitblom, Amberger. Die größte Überraschung ist das neu entdeckte Bildnis eines Geistlichen von Matthias Grünewald, von leuchtender Farbigkeit, monumentaler Formgebung und tiefdeutigem Ausdruck. Es ist 1510, also noch vor der Vollendung des Isenheimer Altars, entstanden.

Die Schau ist zahlenmäßig nicht allzu groß, und daher ist die Möglichkeit gegeben, ungewöhnlich locker zu hängen – eine große Erleichterung für die Besichtigung durch eine gewaltig andrängende Besuchermasse. Die Münchner Museumsgebäude sind zerstört, ihre Schätze haben aber in den Bergungsorten alle Gefahren überstanden; so wird die Generaldirektion bei tatkräftiger Förderung durch die amerikanische Militärregierung auch künftig ihre Bemühungen fortsetzen, jeweils einen Teil der Bestände im Hause der Kunst öffentlich zugänglich zu machen.