Die Importquote an textilen Rohstoffen war von der Kontrollkommission festzusetzen. Zwei Auffassungen standen sich dabei in den Besprechungen des zuständigen Unterausschusses gegenüber.

Die britische Meinung, der sich auch die Vertreter Sowjetrußlands und Frankreichs angeschlossen haben, will Deutschland etwas unter einem Drittel der Vorkriegseinfuhrmenge zubilligen. Der Vertreter der USA befürwortete eine Quote von ungefähr 50 v. H. der Vorkriegsimporte, wollte aber die deutsche Kunstfasererzeugung praktisch ausschalten.

Gegen eine solche Maßnahme wandten die Vertreter der drei andern Siegerstaaten ein, daß es nach der Zerstörung eines großen Teils der industriellen Kapazität Deutschlands, im Zuge der "Entwaffnung" (oder vielmehr der Vernichtung des Kriegspotentials), äußerst schwierig sein werde, diejenigen Mengen an Exportgütern bereitzustellen, die zur Bezahlung der lebensnotwendigen Einfuhren an Lebensmitteln und Rohstoffen gebraucht werden.

Der amerikanische Gegeneinwand lautet, es sei äußerst unwirtschaftlich, Kunstfaserstoffe herzustellen, während doch in der Welt ein Überfluß an natürlichen Rohstoffen vorhanden sei, aus denen billigere und bessere Textilwaren hergestellt werden können. Da zur Erzeugung von einem Kilogramm Kunstfaser 15 Kilogramm Kohle gebraucht würden, sei es bei der Kohlenlage in Deutschland gar nicht zu verantworten, diese Produktion aufrechtzuerhalten.

Dies ökonomische Argument der USA hat gewiß etwas Bestechendes. Aber es gibt Situationen, in denen man nicht nur wirtschaftlich verfahren kann. Es ist ja eben das Schicksal der armen Volkswirtschaften, daß sie kostspielige Produktionsumwege gehen müssen und sich die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung nicht im gleichen Umfange zunutze machen können wie die reichen Länder, die keine Devisensorgen kennen... Und außerdem steckt in der Technologie der Kunstfaser noch allerlei Zukunftsmusik.

Wie die Entscheidung endgültig ausfallen wird, ist noch nicht bekannt. Nur die Gesamtzahl von 665 000 t an Textilfasern, Import und Eigenproduktion zusammengerechnet, ist bisher als für die Produktion freigegeben veröffentlicht worden, entsprechend 10 kg je Kopf der Bevölkerung, einschließlich 2 kg für den Export. Wie sich diese Zahl auf natürliche und künstliche Textilrohstoffe aufschlüsselt, wird man wohl noch erfahren. n. f.