Drei große Konzerne haben sich in der Automobilindustrie herausgebildet. Zu General Motors und Ford ist während der Krise der dreißiger Jahre Chrysler getreten, weniger durch das hinter ihm stehende Kapital als durch die Güte seiner Konstruktion. Die verschiedenen – kleinen Firmen warten nur darauf, ebenfalls einen derartigen Aufstieg zu vollziehen, so daß selbst eine Absprache der "Großen Drei" in der heutigen Lage nicht ausreichend wäre. Bleibt also nur der rücksichtslose Wettbewerb, der die Produktionszahlen der nächsten anderthalb Jahre ungeheuer anschwellen lassen würde, in sich aber die Gefahr einer Krise sondergleichen bergen muß. Dazu müssen wir die technischen Voraussetzungen genauer betrachten.

Die nordamerikanische Automobilindustrie pflegte die Produktion auf wenige Monate zusammenzupressen: Von Saison zu Saison wurden die Typen festgelegt, die Werkzeugmaschinen danach ausgewählt und eingerichtet, meist so, daß am Ende der angesetzten Bauzeit ein großer Teil des Maschinenparks verschlissen war und zum Alteisen geworfen werden konnte. Dann wurde das Werk neu hergerichtet und auf den neuen Typ umgestellt, der dann stark propagiert wurde. Die Produktion sollte also nicht stetig fließend sein. Es genügte, daß wesentliche Teile gepreßt, nicht, wie früher und in anderen Ländern, gehämmert wurden; erst der Krieg zeigte, daß ohne die schweren Hämmer bestimmte Qualitäten gar nicht erreicht werden konnten.

Die Folge ist, daß der Maschinenpark in einer "Saison" abgeschrieben werden, kann. Alle Voraussetzungen für eine stoßweise Befriedigung des im Augenblick vorhandenen Bedarfs sind also gegeben. Rücksichten auf spätere Gunst oder Ungunst der Lage bleiben außerhalb des Gesichtskreises der nordamerikanischen Industrie. Auch von der Rohstoffseite wird keine Beschränkung kommen. Die Stahlkapazität der USA mit fast 100 Millionen Tonnen im Jahr hält jedem Ansturm stand. Es wird gewiß noch einige Zeit vergehen, bis die Werkzeugmaschinenindustrie den zu erwartenden Anlagebedarf befriedigt hat, aber noch in diesem Sommer dürfte auch dieses Hindernis beseitigt sein. Was wird die Folge sein?

Zunächst ein wirtschaftlicher Aufschwung sondergleichen, eine Erzeugung, die beispiellos dastehen wird. Die Nordamerikaner selbst rechnen damit, daß ihr Volkseinkommen 1946 und 1947 noch bedeutend über der bisherigen Höchstzahl von 150 Milliarden Dollar liegen wird Aber dann kommt der Rückschlag. Er läßt sich nur auffangen, wenn die USA dann für ihren Überschuß Aufnahme auf dem Weltmarkt finden wird. Das wird zu schweren Wettbewerbskämpfen mit der britischen Autoindustrie führen. Das wird dann der Augenblick sein, wo der bis dahin vernachlässigte europäische Markt zu größter Bedeutung aufsteigen wird. Wird es dann aber nicht zu spät sein? E. S.