Die persische Frage, die auf der ersten Tagung der UNO in London nur eine vorübergehende Lösung fand, steht erneut zur Verhandlung. Die persische Regierung hat erklärt, daß sie bei ihren Verhandlungen in Moskau keinen Erfolg erzielt hat, und um erneute Behandlung im Weltsicherheitsrat gebeten. Auf drei diplomatischen Schauplätzen wird heute gerungen: in Moskau in den Verhandlungen zwischen Persien und der Sowjetunion, um eine friedliche Lösung außerhalb des Einflusses der UNO zu erreichen, in Teheran, um eine innenpolitische Wendung herbeizuführen und ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden beteiligten Nachbarstaaten herzustellen, das die Streitfragen durch eine neue Einstellung der persischen Regierung beseitigt, und in Neuyork im Weltsicherheitsrat. Jedesmal sind Methoden und Grundsätze verschieden.

Die Sowjets suchen Zeitgewinn. Ihr Sprecher im Weltsicherheitsrat, Gromyko, erklärte, daß es in Moskau zu einer Einigung gekommen wäre, und bat um Vertagung der Verhandlungen tun 14 Tage. Einen Zweifel an seinen Worten wies er scharf zurück. Als die Vertagung abgelehnt wurde, nahm er an den Beratungen nicht mehr teil. Die Verhandlungen in Moskau selbst sind seit der Abreise des persischen Ministerpräsidenten Sultaneh nicht mehr der Öffentlichkeit sichtbar und beschränken sich auf die diplomatischen Beziehungen, die durch den Wechsel der Vertreter in Moskau und in Teheran gekennzeichnet werden. Undurchsichtig und undurchschaubar sind die innenpolitischen Vorgänge in Persien, wo die Linkspartei Tudeh auf Änderung, der Regierung drängt. Manche Unklarheit in der Stellung Persiens bei der Beratung durch den Weltsicherheitsrat dürfte darauf zurückzuführen sein.

Um so sicherer ruht die Haltung Großbritanniens und der USA in Neuyork auf den klaren Grundsätzen der Satzung der Vereinten Nationen. Nicht Machtfragen, Ölkonzessionen, politischer Einfluß – oder Bündnispolitik beherrscht ihre Stellung, sondern der Wunsch, dem Recht zum Sieg zu verhelfen. Der Schwache soll das Vertrauen haben, daß hinter ihm heute eine Macht steht, die die gesamte Welt umfaßt, eine Welt, die entschlossen ist, selbst Opfer zu bringen, um den Grundsatz des Rechts durchzusetzen, denn im Recht und nur im Recht liegt die Sicherheit für einen dauernden Frieden. England und Nordamerika haben sich zu dieser Politik eindeutig bekannt.