Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wo und wie der Hebel angesetzt werden kann, um methodisch zu späten, gibt eine kürzlich in Hamburg unter dem Stichwort "Verkehrslenkung als Devisenerwerb" ausgearbeitete Denkschrift. Sie geht von den an dieser Stelle bereits erwähnten Schätzungen des Volkswirts Hochgrassl aus, wonach für die nächste Zeit allein Getreide und Ölsaaten im Wert von etwa 250 Millionen Pfund Sterling jährlich importiert werden müssen, um den Ernährungsbedarf auf der Grundlage sicherzustellen, daß die arbeitende Bevölkerung voll leistungsfähig erhalten wird.

Um beim Einkauf, beim Transport, beim Umschlag und in der Verarbeitung dieser Lebensmittelmengen alle Möglichkeiten des Einsparens von Devisen sicherzustellen und um gleichzeitig bei Ausfuhr, Wiederausfuhr oder Transit fremde Zahlungsmittel zu verdienen, werden in dieser Denkschrift bestimmte Vorschläge gemacht. Sie laufen darauf hinaus, daß Einfuhr und Ausfuhr möglichst über deutsche Seehäfen geleitet werden sollen. So ist es möglich, einen Teil der Kosten, die sonst – etwa bei Benutzung der Rheinhäfen – in fremder Valuta zu zahlen wären, auf Inlandswährung zu übernehmen.

Im einzelnen handelt es sich um die Lösch- und Ladekosten, Hafengelder, Kai-, Makler- und Stauereigebühren, Wiegegelder, Versicherungsprämien, Anschlußfrachten und ähnliches. Gelingt es, einen erheblichen Teil der Transporte an Lebensmitteln und Grubenholz bei der Einfuhr, an Kohlen für die Ausfuhr, über die deutschen Seehäfen zu dirigieren, so können damit rund 2 Millionen Pfund Sterling an Devisen eingespart oder zusätzlich verdient werden.

Dieser Betrag mag, verglichen mit der Gesamtsumme der lebenswichtigen Einfuhren, verschwindend klein erscheinen. Wichtig ist aber, daß jede Möglichkeit, Devisen zu sparen, bis zum letzten ausgeschöpft wird, selbst wenn damit (scheinbar) Umwege des Transports in Kauf genommen werden müssen und zusätzliche Frachtkosten, die allerdings In Reichsmark auflaufen, entstehen.

Es liegt nahe, in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit hinzuweisen, daß weitere Devisenbeträge einzusparen sind, wenn Getreide statt Mehl Importiert wird und wenn die Rohstoffe für die Margarinefabrikation in Gestalt von Ölsaaten hereinkommen, anstatt als verarbeitungsfähige Öle und Fette. Die Anlagen, also Getreide- und Ölmühlen, sind vorhanden; ihre Kapazität ist auch nicht annähernd ausgenutzt.

Für Hamburg speziell ergibt sich eine weitere Möglichkeit, Devisen zu verdienen und so einen Teil der Kosten für die aus Großbritannien hereinkommenden lebenswichtigen Einfuhren aufzubringen, wenn der Verkehr auf der Elbe freigegeben wird, so daß über die natürliche Verbindung zwischen der Nordsee und Osteuropa die Tschechoslowakei und ihre Nachbarländer wieder an den britischen Welthandel angeschlossen werden können.

n. f.