Das Hamburger Völkerkundemuseum ist mit einer Ausstellung "Arabische Völker" wieder geöffnet worden, die die Arbeiten der sabäischminäischen Periode auf breitem Raum zeigt.

Das Mittelmeer (mare medi-terraneum) verdankt seinen Namen der Tatsache, daß es im Altertum in der Mitte der Länder lag, die damals die Welt bedeuteten. Ihren Schwerpunkt hatte diese Welt im Osten. Darum war die Ostküste dieses Meeres seine wichtigste sowohl als Ausgangsbasis für den Handel zur See wie als Landbrücke zwischen den Kontinenten. Dieser schmale Streifen Fruchtland, das heutige Syrien und Palästina, stand daher im Brennpunkt der weltgeschichtlichen Spannungen, war immer, von den Hyksoseinfällen im 2. Jahrtausend v. Chr. über die Kreuzzüge im Mittelalter bis zum Kampf um den Suezkanal in der Neuzeit, der Boden, auf dem und um den die Kämpfe der Weltmächte ausgefochten wurden. Geographisch bildet er das Vorland der Halbinsel Arabien. Kaum ein größerer Gegensatz ist denkbar als der zwischen diesen beiden Gebieten. Dort engster Raum, jede Quadratmeile von Geschichte geprägt, hier endlose Weite, hinter dem schützenden Wall der Wüste scheinbar jahrtausendelang geschichtslos dahinvegetierend.

Scheinbar, denn im Jahre 633 n. Chr. brechen aus diesem Raum arabische Heere vor. In einer Reihe von Schlachten – Yarmuk, Qadisiyyah, Nihawend, die jede einen Sieg bedeuten, schlagen sie die beiden Großmächte ihrer Zeit, Ostrom und Iran, und stoßen dann über Iran–Chorassan nach Zentralasien, über Iran–Seistan nach Nordindien, über Ägypten–Nordafrika nach Spanien hinein. 732, genau hundert Jahre nach dem Tod des Propheten Mohammed, kommt dieser Vormarsch in der Schlacht zwischen Tours und Poitiers, also vor den Toren von Paris, zum Stehen. Sein Ergebnis ist ein Weltreich, das von Pendschab bis zu den Pyrenäen reicht. Und die scheinbar geschichtslosen "Söhne der Wüste" erobern es nicht nur, beherrschen es nicht nur, sie geben ihm auch eine eigene, einheitlich arabisch-islamische Kultur. Wie ist das möglich?

Griechische Quellen sprechen von der "Arabia felix", dem "glücklichen Arabien", und meinen damit die südarabischen Gebiete, die damals im Indienhandel eine Schlüsselstellung hielten. Ptolemäer und Römer versuchen den lästigen Konkurrenten auszuschalten. Im 1. Jahrhundert n. Chr. gelingt es. Damals dominiert in Südarabien der römische Einfluß. Als Roms Macht sinkt, kommen neue Herren, Abessinier erobern das Land. Befreit, tritt es für kurze Zeit zum Judentum über, wird von neuem durch Abessinien erobert und endet als persische Provinz, bis am Anfang des 7. Jahrhunderts der Sturm des Islam alle fremden Mächte vom arabischen Boden hinwegfegt. Das alles ist deutlich Endphase einer offenbar weit zurückreichenden Entwicklung.

Vor heute rund 200 Jahren war der Graf Bernstorff zum Empfang bei König Christian V. von Dänemark. Er hatte kurz vorher einen Brief des Göttinger Professors Michaelis erhalten, in dem dieser von Südarabien als einem der "merkwürdigsten Länder der Erde" schreibt, von dessen Erforschung viel zu erwarten sei, besonders für die Geschichte der Bibel. Der König interessierte sich für diesen Gedanken. Am 4. Januar 1761 bricht die erste europäische Südarabien-Expedition von Kopenhagen auf. Nur einer der fünf Männer, die das Wagnis unternahmen, der Leutnant Carsten Niebuhr, kehrte nach fünf Jahren zurück. Seitdem ist kaum ein Jahrzehnt vergangen, in dem nicht ein neuer Versuch gemacht wurde. Noch mancher Forscher hat mit seinem Leben bezahlt. Aber der Erfolg blieb, trotz unsäglicher Schwierigkeiten, nicht aus. Was der Däne Carsten Niebuhr begonnen, hat der Franzose und Jude Joseph Halévy entscheidend gefördert, der Deutsche Eduard Glaser zu einem ersten Abschluß gebracht.

Die ersten Zeugnisse von der Kultur dieses Landes waren Inschriften. Ihre Entzifferung gelang. Allmählich lösten sich Einzelheiten aus dem Dunkel. Nicht nur ein Volk kam zum Vorschein, sondern gleich vier, die offenbar im 9. oder 8. Jahrhundert v. Chr. aus dem Norden eingewandert waren. Die Minäer, die am nördlichsten saßen und den Handel der großen Karawanenstraßen in den Händen hatten, die Qatabaner und Hadramauther im Süden, an der Küste und in der Mitte, alle beherrschend die Sabäer. In ihnen fand man die Spur einer lange Bekannten wieder, der Königin von Saba des Alten Testaments. Und auch das Ende dieser Völker wurde klar: im 2. Jahrhundert v. Chr. werden sie von einem neuen, wieder aus dem Norden kommenden Volke, den Himyariten, unterworfen.

Heute kennen wir eine ganze Reihe bedeutender Bauten dieser südarabischen Kultur. Hunderte ihrer Plastiken sind gefunden. Tausende ihrer Inschriften gelesen. Trotzdem bleiben Rätsel genug. Bis heute ist es nicht möglich gewesen, eine der Ruinenstätten des Landes wissenschaftlich einwandfrei auszugraben. Bis heute hat kein europäischer Gelehrter eine der Plastiken in situ, d. h. an der Stelle ihrer ursprünglichen .Verwendung, gesehen.