Von Tami Oelfken

Im Hühnergarten steht ein Holderbusch. In dieser Nacht ist er aufgewacht. Seine Blütendolden gleichen schaumigen Monden, sie sind hell. Unten auf dem feuchten Boden glüht Gold. Da sitzt ein Feuersalamander, der seine zärtliche Pfote an den Holunderbaum legt, und nun sieht er hinauf in den Himmel. Eine Wolke taut ganz langsam zur Erde, behutsam wie ein Wattebausch und lautlos wie Atem der Blütendolden. Unter dem – Busch öffnet sich die Wolke.

Der Engel gleitet heraus, legt die Flügel schmal und setzt sich neben den Molch. Nichts ist dem Engel fremd, nicht die Wolke, nicht der Tau, nicht das Rauschen des heftigen Baches. Gelassen setzt er sich unter den Busch und faltet seine göttlichen Hände im das Knie.

"Wie heißt du?" fragt der Feuersalamander zaghaft.

"Ich heiße nicht", lächelt süß der Engel.

"Wie ruft man dich?" fragt der Feuersalamander.

"Ich werde nicht gerufen, ich bin da", lächelt der Engel.