Die Steuererhöhungen zwingen zahlreiche Investoren, sich rechtzeitig um die Beschaffung flüssiger Mittel zu bemühen und sich von einem Teil ihrer Wertpapiere zu trennen. Sie mußten an den ersten Tagen der vergangenen Woche den Käufern beträchtliche Kurszugeständnisse machen, um das Angebot unterzubringen. Für den starken Kursabbau und eine gleichzeitige Schrumpfung des Umsatzes wird neben den Steuermaßnahmen die Veröffentlichung des Industrieplanes für Deutschland verantwortlich gemacht. Allerdings konnte der Plan bisher nur eine allgemeine Wirkung ausüben. Für eine spezielle Beeinflussung einzelner Industriepapiere sind noch zu wenig Einzelheiten bekannt.

Eine leichte Erholung am Wochenende war nicht imstande, die Kurseinbußen voll aufzuholen. Die führenden Aktienwerte gingen mit Verlusten von 5 bis 10 v. H. aus den Schwankungen der letzten Woche hervor. Das gilt beispielsweise für AEG, die vom Paristand auf 93 v. H. fielen, für die Vereinigten Stahlwerke mit 94 nach 100 1/2 v. H. und Reichsbankanteile, die nach 112 jetzt zu 10; gehandelt werden. Bei steigender Tendenz wurden BMW zuletzt 81, Daimler 135 und Siemens Stammaktien 99 v. H. notiert.

Der Hamburger Rentenmarkt steht im Zeichen einer Neuregelung. Am 1. April schloß sich die Hanseatische Wertpapierbörse der Gepflogenheit der süddeutschen Börsen an, festverzinsliche Werte nicht mehr mit Berechnung von Stückzinsen zu handeln. Bisher bezogen sich die Hamburger Rentenkurse nur auf den Nominalwert des Papiers, während die aufgelaufenen Zinsen zusätzlich verrechnet wurden. In Zukunft werden auch in Hambugr alle fälligen und laufenden Zinsen in den Kurs eingeschlossen.

Diese Neuregelung hatte Kursaufstockungen am Rentenmarkt, aber zugleich eine Verminderung des Umsatzes im Gefolge. Käufer wie Verkäufer stellen ihre Entschlüsse möglichst zurück, bis sich die Errechnung der Stückzinsen. eingespielt hat. Viele Pfandbriefe und Industrieobligationen haben die neugebildeten Kurse an den folgenden Tagen nicht halten können. Vor allem wurden die in der russischen Zone beheimateten Papiere betroffen. Der Pfandbriefmarkt hatte sich auch am Wochenende noch nicht belebt; die Industrieschuldverschreibungen schlossen sich dagegen der leichten Besserung des Aktienmarktes an. –eck.

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Am 1. April wurden laut Anordnung der Militärregierung die Wertpapierbörsen in Düsseldorf und Hannover wieder eröffnet.