Der frühere nordamerikanische Staatspräsident Hoover ist zu einem dreitägigen Aufenthalt in Berlin eingetreten. Der Mann, der im ersten Weltkrieg die Versorgung der belgischen Zivilbevölkerung organisierte, der während des zweiten für die Belieferung der von den deutschen Truppen besetzten Gebiete durch nordamerikanische Lebensmittel eintrat und dem im Augenblick höchster Not die Welt das ungewöhnlich schwierige Amt anvertraut hat, die Ernährungskrise zu mildern, wenn nicht zu bannen, genießt wie kaum ein zweiter den Ruf eines hervorragenden Organisators und eines Mannes mit warmem Mitgefühl für die Leiden der Mitmenschen. Seine Ernennung zum „Ernährungsdirektor“ ist nicht auf parteipolitische Rücksichten zurückzuführen. Hoover ist Republikaner und als Kandidat dieser Partei 1932 dem Demokraten Roosevelt erlegen. Er gehört heute zur Opposition in den Vereinigten Staaten. Sein Einfluß hinter den Kulissen ist jedoch in den letzten Jahren sehr gewachsen; Er gilt als einer der wirklichen Lenker der Republikanischen Partei und ihrer „Alten Garde“, die bei den Vorwahlen für die Präsidentschaftswahlen 1940 von der öffentlichen Meinung überfahren wurde, die auf der Benennung von Wendell Willkie als Präsidentschaftskandidaten bestand, während die alten Parteimitglieder dem neuen Mann zurückhaltend gegenüberstanden. Die Benennung Dei eys als Kandidaten der Republikaner 1944 galt jedoch mit als ein Werk der Gruppe um Hoover, der Senatoren Vandenberg und Taft und der Gouverneure Bricker und Stassen. In Amerika deuten verschiedene Beobachter die Zeichen der Zeit dahin, daß die kommenden Kongreßwahlen im November dieses Jahres dieser Gruppe die Kontrolle im Abgeordnetenhaus verschaffen werden. Dann würde der politische Einfluß wieder sehr bedeutsam werden. Nach allem, was wir bisher von Hoover erfahren haben, dürfen wir annehmen, daß dieser Einfluß günstig sein wird, denn er bringt eine tief sittliche Überzeugung von der inneren Verpflichtung der Hilfsbereitschaft und der leidenschaftslosen Zusammenarbeit der Nationen auf wirtschaftlichem Gebiet mit.

Amerika weiß heute, daß der politische Aufbau der Welt nicht eine Angelegenheit ist, von der es sich ähnlich wie nach 1918 zurückziehen kann, ohne selbst ernsten Schaden zu erleiden. Die Wahlniederlage Hoovers 1932 war überwiegend durch die Weltwirtschaftskrise bestimmt, die aus den politischen Faktoren, darunter der ungelösten Reparationsfrage entstanden war. Mit dem Namen Hoovers verknüpft ist der große Versuch, die politischen Schulden der Welt, die aus dem ersten Weltkrieg stammten, zu bereinigen oder zum mindesten vorübergehend der unheilvollen Kraft der Lähmung der Weltwirtschaft zu entkleiden. Das „Hoover-Moratorium“ 1931 hat weder den Zusammenbruch der deutschen Banken noch des englischen Pfund Sterlings verhindert. Heute weiß Amerika, daß es rechtzeitig handeln muß, bevor die Krise die Welt erfaßt hat.