Der neue Welthandel wird dem alten nicht gleichen. Gewiß bleiben gewisse Grundsätze bestehen, aber die Spezialisierung des Handels wird sich fortsetzen und die Struktur des Warenaustausches verändern. Überseeische Agrarländer haben sich erfolgreich um die Industrialisierung bemüht und mußten es tun, weil sie von ihren alten Bezugs- und Absatzgebieten abgeschnitten waren; die Technik hat manchen Naturrohstoff nachzubilden verstanden und dadurch neue Welthandelsartikel mit neuen Tauschrichtungen geschaffen. Hochindustrialisierte Länder wie Deutschland und Japan werden auf vieles verzichten müssen, was früher wesentlicher Bestandteil ihrer Außenwirtschaft war.

So steht die Rohstoffwirtschaft der Welt vor der Aufgabe, sich diesen gewandelten Verhältnissen anzupassen, und vor der Notwendigkeit des Wiederaufbaus. Am ausgeprägtesten gilt das für die Märkte im Fernen Osten, die für verschiedene Welthandelsgüter ausgesprochene Schlüsselpositionen besaßen. Wir brauchen nur an Gummi und Zinn zu erinnern.

Dem Naturkautschuk ist im synthetischen Gummi ein ernsthafter Wettbewerber erstanden; die Zinnproduktion leidet an den Zerstörungen der Fördereinrichtungen. Bis zum Kriege waren die Handelsbeziehungen denkbar einfach: der Ferne Osten lieferte den Hauptteil an Naturgummi, die USA nahmen den größten Teil ab. Der Absatz war, bei allen Schwankungen des Konjunkturrhythmus, gesichert. Heute wird zwar der Plantagengummi wieder greifbar – die Zerstörungen der Gummibäume liegen im Durchschnitt bei etwa 10 v. H. –, aber in Nordamerika ist inzwischen eine leistungsfähige Kunstgummi-Industrie entstanden, die bis zu einer Million Tonnen Jahreskapazität hat.

Hier muß ein Ausgleich geschaffen werden, wenn der Gummimarkt auf die Dauer zur Stabilität kommen soll. Gegenwärtig bestehen allerdings noch keine akuten Absatzschwierigkeiten. Fachleute schätzen den Weltgummiverbrauch für die nächsten Jahre auf 1,25 bis 1,5 Mill. t und glauben, daß zusätzliche 0,5 Mill. t zur Wiederauffüllung der Vorräte gebraucht werden können. Anderseits wird die Erzeugung an Naturgummi für die kommenden Jahre auf nicht höher als 0,7 Mill. t veranschlagt, so daß für diese Verbrauchslücke der synthetische Gummi eingesetzt werden kann. Für die Dauer wird ein Ausgleich dadurch erstrebt, daß die USA nicht ihre volle Erzeugungsmöglichkeit für synthetischen Gummi ausnutzen wollen. Die Preisrelation zwischen Natur- und Kunstgummi wird dabei jedoch eine wichtige Rolle spielen, und heute schon sind die Erörterungen darüber im Gange. Für malaiischen Gummi ist der Plantagenpreis auf 10 d je lb festgesetzt worden, obwohl dieser Erlös im Hinblick auf die Wiederaufbaukosten – bis zu 3 oder 4 d je lb – als zu niedrig betrachtet wird. Die ersten Einfuhrkontrakte der USA nach dem Krieg für 200 000 bis 300 000 t Malaiengummi sind zu 20 1/4 cents ab Fernosthäfen (fob) geschlossen worden, während der Kunstgummi in den USA mit 18 1/2 cents verkauft wird. Es besteht die Hoffnung, diesen Erzeugerpreis auf 14 oder 15 cents für gewisse Sorten senken zu können, so daß preislich volle Wettbewerbsfähigkeit zum Naturgummi gegeben ist. Allerdings sind die Qualitätsbedingungen für bestimmte Fertigprodukte verschieden und werden ebenfalls ihre Rolle bei der Wahl von Natur- oder Kunstgummi spielen. Ein Monopol aber besitzt der Naturgummi im Welthandel nicht mehr.

Anders liegen die Dinge beim Zinn. Aus Malaia wurden vor dem Kriege etwa zwei Drittel des Weltverbrauchs, nämlich 110 000 von insgesamt 184 000 t geliefert. Aber gegenwärtig arbeiten nur wenige Bagger, und die Neuanschaffung und Installierung ist kostspielig und langwierig. Während des Krieges sind die Zinngruben von Nigeria und Belgisch-Kongo nach Kräften ausgebaut worden. Sie haben aber höhere Erzeugungskosten als Malaia, und die Beseitigung der Zinnknappheit in der Welt wird weitgehend vom Wiederaufbau der malaiischen Gruben abhängen. Von 136 Baggern können 41 bis zum August dieses Jahres wieder in Betrieb genommen werden, weitere 46 bis zum Juni 1947 und 17 zu Beginn 1948. Aus diesen Erhebungen und der Tatsache, daß ein wesentlicher Teil der Zinngewinnung mit primitiveren Mitteln erfolgt und deshalb schneller wieder in Gang kommt, resultiert die Produktionsschätzung für die nächsten Jahre: 1946 sollen 12 300 t erzeugt werden (gegenüber einem Höchststand von 79 000 t 1937), dann 46 150 t, und rund 73 000 t in den Jahren 1948 und 1949. Die Einhaltung dieses Planes aber ist abhängig von der Bereitstellung einer genügenden Zahl heimischer Arbeitskräfte, von der Ausrüstung der Minen und von der Kraftstromversorgung. Bei dieser Sachlage wird Zinn nach wie vor knapp bleiben, wenn Sachverständige auch mit sinkendem Zinnverbrauch gegenüber der Vorkriegszeit rechnen. Die Schätzungen lauten auf 150 000 bis 160 000 t gegenüber einem Rekordverbrauch von 200 000 t. Der Zinnpreis drückt diese Sachlage aus: er liegt bei 300 Pfund je Tonne gegen 226 Pfund vor dem Kriege.

Nur langsam kommen die Rohstoffmärkte in Fernost wieder zum Zuge. Reis gehört ebenso zu den Mangelartikeln wie die Sojabohne, die Kokosnuß oder der Javazucker. Das gleiche gilt für die Grundstoffe, für deren Lieferung auf dem Weltmarkt Europa (neben den USA) verantwortlich zeichnete: Kohle, Eisen, Stahl und Holz. Die Gründe sind sattsam bekannt. Es sind die nur schwer zu beseitigenden Kriegsfolgen, hüben wie drüben.

Aber es gibt auch schon wieder eine Reihe von Überschußprodukten, nämlich Kupfer, Nickel, Zink (Blei dagegen ist knapp), Aluminium und Magnesium. Dennoch zeigt die Preisbewegung für die NE-Metalle deutlich steigende Tendenz. Der Grund dafür wird in der Aufhebung der Preisbindungen gesucht, die während des Krieges bestanden. Sie betrugen 62 Pfund je t für Kupfer, 25 Pfund für Blei und 25 Pfund 15 s für Zink und wurden auf dieser Höhe durch die Bulkkäufe der Regierungen stabil gehalten. Diese Bulkkäufe. nahmen die Gesamtproduktionen für Rechnung der Regierungen auf und verhinderten so eine freie Preisbildung, die jetzt wieder in Gang gekommen ist, ohne daß die Metallmärkte in London wie im Frieden durch Termingeschäfte ausgleichend wirken können, weil sie noch nicht wieder eingerichtet worden sind.