Die britische Regierung hat beschlossen, die Liverpooler Baumwollbörse und damit den Terminhandel in Baumwolle nicht wieder zu eröffnen. Statt dessen sollen die Bulk-Käufe, die den Rohstoffmärkten während des Krieges ihr Gesicht gegeben haben, weiter fortgesetzt werden.

Die zentrale Einkaufstätigkeit für Baumwolle durch die „Cotton Control“ bleibt also bestehen, und zwar als Vorbereitung für die Errichtung einer Baumwoll-Einkaufskommission, die eng mit den Spinnereien zusammenarbeiten soll. Diese Absage an den privaten Handel und die Bevorzugung zentralisierter Einkaufstätigkeit im Außenhandel hat in den beteiligten britischen Fachkreisen einiges Aufsehen erregt, obwohl die Regierung gleichzeitig mitgeteilt hat, daß die Entscheidung für die Bulk-Käufe im Baumwollgeschäft nicht als Präzedenzfall anzusehen sei. Man will in jedem Fall, d. h. gesondert für die einzelnen Terminmärkte (Metalle usw.) prüfen, welches Verfahren vorzuziehen ist.

Immerhin greift der Beschluß für einen so wichtigen Artikel des britischen Handels, wie es die Baumwolle ist, tief in die Funktionen des Handels ein, der sich auch dagegen zur Wehr setzt. Die Politik der Bulk-Käufe hat einwandfrei die guten Erfolge für sich, die sie während der Kriegszeit buchen konnte. Sie hat die Versorgung der Märkte einigermaßen sichergestellt und vor allem allzu heftige Preisabschläge verhindert. Aber, so meint der Handel im Gegenargument, das sei nicht verwunderlich, denn die vergangenen Jahre hatten bei Baumwolle wie bei allen Rohstoffen eine klare Tendenz steigender Preise, und die Vornahme von Sammelkäufen mußte deshalb zwangsläufig erfolgreich, nämlich preisdämpfend sein. Wie stehe es aber, wenn die Preisbewegung auf den Weltmärkten unsicher würde? Zentralisierter Einkauf erfaßt große Partien, praktisch den Gesamtbedarf des Landes, und es könnte dann leicht zu Fehlkäufen kommen, die für die ganze Industrie und den preislichen Wettbewerb im Außenhandel zum Nachteil werden könnten. Auf jeden Fall käme ein recht spekulatives Moment in die Politik der Bulk-Käufe. Gegenwärtig ist die Preistendenz für Baumwolle trotz reicher Vorräte noch fest; sie notiert in Neuyork (middling) etwa 27 Cents je lb gegen 8,91 bei Kriegsausbruch.

Andere Argumente beziehen sich darauf, daß wohl während des Krieges die Interessen im Rohstoffeinkauf zwischen den einzelnen Regierungen gleichliefen, daß es aber zweifelhaft sei, ob dieser Gleichklang der Marktbehandlung auf die Dauer bestehen bliebe. Hinzu kommen Befürchtungen, daß der allgemeine Goodwill, der in den Marktfunktionen der Liverpooler Baumwollbörse lag, nun an Neuyork übergehen, könne, wo der Terminmarkt im Gange ist. Aber die Vereinigten Staaten sind Erzeugerland für Baumwolle, England ist Konsument. Die britische Regierung hat sich offensichtlich für den zentralen Einkauf entschlossen, weil er den gegenwärtigen Bedürfnissen der Devisen-, Schiffahrts- und Vorratslage am besten angepaßt werden kann. Freilich bleibt die Tatsache bestehen, daß England mit dieser Entscheidung – auch wenn sie zunächst nur einen Einzelfall betrifft – weitgehend mit seiner alten Tradition, die ausgleichenden Marktfunktionen dem privaten Handel zu überlassen, gebrochen hat. Die Reglementierung der Wirtschaft durch Staatsvorschriften und direkte Einschaltung vom Staat eingesetzter Institutionen ist eben noch immer im Vormarsch. Bo.