An den deutschen Börsen scheint die Flaute überwunden zu sein und wieder Optimismus einzukehren. Alle großen Börsenplätze melden eine Belebung des Geschäfts. Die Gesamtumsätze erreichen jetzt wieder 7 bis 8 Mill. RM wöchentlich, eine im Vergleich zum Vorkriegsgeschäft wie auch zur Kriegsära der Reichsanleihen allerdings nur sehr bescheidene Summe. Hamburg ist mit annähernd 4 Mill. RM an diesen Umsätzen beteiligt.

Die Schockwirkung der Steuererhöhungen und des Industrieplans hat nicht lange angehalten. Wenn in der Vorwoche überall noch eine gedrückte Haltung herrschte, so waren Kursgewinne bis zu 17 v. H. das Ergebnis des neuen Berichtsabschnitts. Die für viele Wertpapierbesitzer zunächst noch farblosen Zahlen des Industrieplans werden allmählich durch Kommentare und Vergleiche lebendig gemacht. Jetzt spielt die voraussichtliche Drosselung einzelner Wirtschaftszweige eine größere Rolle bei der Bewertung von Industriepapieren. Aktien der Schwerindustrie, etwa der Vereinigten Stahlwerke, sind in Hamburg nur verhältnismäßig wenig gestiegen, in Süddeutschland sogar leicht gefallen. Starke Kursgewinne sind dagegen dort zu verzeichnen, wo ein Unternehmen wahrscheinlich voll in die Friedensproduktion eingeschaltet werden kann, wie z. B. die Schering-Werke, die das Heilmittel Penicillin herstellen; Schering-Aktien notierten, nach 130 v. H. in der Vorwoche, zuletzt 145 v.H.

Starke Kursgewinne erzielten in Hamburg auch Siemens-Stammaktien mit 114 nach 97, BMW mit 96 nach 80 und AEG mit 109 nach 99. Reichsbankanteile und die Aktien der drei Filialgroßbanken schlossen sich dem Kursanstieg der übrigen Aktien anfangs nur zögernd an; erst in den letzten Tagen der Woche machten die Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank schnellere Fortschritte und erreichten 86 v. H. (in der Vorwoche 77 v. H.)

Die süddeutschen Kurse lagen durchschnittlich um 2 bis 3 Punkte unter den Hamburger Notierungen.

Auf dem Rentenmarkt standen die Industrieobligationen im Vordergrund. Einige Papiere gewannen den in der vorigen Woche aufgegebenen Stopkurs zurück, andere – besonders Schuldverschreibungen ostdeutscher Unternehmen – machten Fortschritte in Richtung auf den Parikurs.

Der Pfandbriefmarkt zeigte ein weniger einheitliches Bild; hier gab es auch einige Kursverluste.