Mit Bauernromantik können wir den Magen nicht füllen. Ich will nicht zu allem Unheil auch noch den Bauernstand entwurzeln, sondern das ganze Volk verwurzeln. Der Bauer bekommt auf seinen Resthöfen als Betreuer und Gespannhelfer der vielen Kleinsthofbesitzer sowie als Verpächter von überflüssigen Gebäuden, und als Zinsempfänger aus seinen verkauften Ländereien eine zwar veränderte, aber bessere Existenz, als er bisher innehatte.

Für meinen Kleinsthofplan habe ich folgendes Sofortprogramm: Alle Siedlungslustigen werden zur Meldung aufgefordert und kreisweise registriert. Ebenso müssen alle diejenigen, die vom Lande zur Stadt zurück wollen, sich kreisweise melden. Zwischen beiden Gruppen findet ein Austausch statt, mit dem Ziel, die landwirtschaftlich geschulten und landfreudigen Kräfte auf die Höfe zu bringen.

Jeder Kleinsthofanwärter erhält als Teilentschädigung für die Mitarbeit auf dem Hof etwa 2 Morgen Land zur Bewirtschaftung zugeteilt mit der Maßgabe, daß diejenigen, die aus dem Land die größte Marktleistung vollbringen, zuerst einen Kleinsthof erhalten. Auf diese Weise würden die Familien der Flüchtlinge und anderen Kleinsthofanwärter für die Ernährung des Volkes aktiv mit eingespannt. Und der Bauer des betreffenden Hofes hätte ein Interesse daran, die Erzeugung auf den 2 Morgen zu fördern, da er so die Aussicht hat, seine Zwangseinquartierten schneller aus dem Hause zu bekommen. Auf diese Weise käme ein Leistungswettbewerb zur Entfaltung, der sich für unsere Ernährungslage recht günstig auswirken könnte, und der zugleich eine gute Vorauslese der Kleinsthofanwärter und Vorschule zum Bestbetrieb wäre.

Neben dieser Aktion der Erzeugungssteigerung würde der zur Verfügung gelangende Boden, besonders der leistungsschwachen Höfe, planmäßig kreisweise zu erfassen sein, um die Zuteilung an die strebsamsten Siedlungslustigen, unter weitgehender Berücksichtigung der besonderen Wünsche, baldigst vorzunehmen. Jeder Kleinsthofanwärter kann dann schon vorplanen und vorarbeiten, für den Bau die nötigen Ausschachtungen selbst ausführen, Bäume und Sträucher anpflanzen und, sowie es Baumaterialien (besonders Ersatzstoffe) gibt, unter Berücksichtigung der Lehmbauweise sich selbst mit seiner Familie als Helfer bei dem Bau einschalten. Auf diese Weise würden Millionen Hände zusätzlich zum Einsatz, gelangen. Dabei ist der Gedanke leitend, zuerst den Stallraum und einen kleineren Zwischenbau, der später als Futterküche und als Verbindung zum eigentlichen Wohnhaus dienen soll, als Notwohnung herzustellen. Wer dann auf dieser Kleinsthofgrundlage die größten Marktleistungen vollbringt, bekommt zuerst die Genehmigung für den endgültigen Haus-– bau. So bliebe der Leistungswettbewerb auf Jahre hinaus lebendig. Millionen Familien ringen verzweifelt um Wohnung, Existenz und Brot. Spannen wir diese strebenden Kräfte richtig ein, so erreichen friedenheit.

Ich bekomme täglich immer wieder zu hören: Man möge uns doch bloß ein Stück Land geben, alles weitere werden wir schon schaffen! In den Schutthaufen der Städte, wo der Schwarte Markt wuchert, können sich keine gesunden Existenzen bilden. Wir müssen vielmehr echt und recht, einfach und mühsam auf . der Scholle neu beginnen. Und das ist möglich.

Zu 3: An der Finanzierung der Millionen Kleinsthöfe würde der Plan nicht scheitern. Ich frage: Wer möchte noch Hypothekengeld in Etagenhäuser vergeben? Und wer in existenzbedrohte Bauernhöfe? Der Industrie- und Schiffbau ist auch äußerst beschnitten. Bleibt der nebenberufliche und krisenfeste Kleinsthof. Den kann man sicherer bis 100 Prozent beleihen als die Etagenhäuser mit Leistung entstanden, nicht aus Geld. Wir brauchen uns nur Arbeit und Leistung für den Bau der Kleinsthöfe gegenseitig zu kreditieren, um zum Ziel zu kommen.

Zu 4: Die Ansicht, daß nur virtuose Könner einen nebenberuflichen Kleinsthof erfolgreich zu bewirtschaften vermögen, kann ich auf Grund gesammelter Erfahrungen mit städtischen Kräften nicht teilen. Ein Kleinsthof, nichts anderes als ein vergrößerter Schrebergarten, der nach einem Erfahrungsplan bearbeitet wird, ist leicht zu überblicken. Der geschulte Kleinsthofbesitzer berät den weniger geschulten Nachbarn mit. Allein schon das Bewußtsein des Eigenbesitzes spornt an. Wir brauchen unsere Jugend anstatt auf den Kasernenhof nur ein Jahr auf einen Bauernhof zu schicken. Wenn das ganze Volk säen lernt, wird auch das ganze Volk ernten können.