Die sowjetische Militärregierung hat sich die Auflösung aller Konzerne, soweit sie mit Werken in der russischen Besatzungszone vertreten sind, zum Ziel gesetzt. Meist geht die "Entflechtung" mit einer Sozialisierung der Werke Hand in Hand. Jetzt ist auch die Berliner Kindl-Brauerei AG. von der Entflechtung erfaßt und der Zusammenhang zwischen ihren drei Betrieben in Potsdam. Weißensee und Neukölln aufgelöst worden. Noch besteht die Gesellschaft – ob sie überhaupt ein Konzern zu nennen ist. wird umstritten – allerdings weiter. Sie besitzt noch einen Aufsichtsrat und eine Zentralverwaltung. Aber nur das Neuköllner Werk untersteht direkt der Gesellschaft. Der Betrieb in Neukölln liegt still und wird seine Betriebsanlagen wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit nicht wieder instand setzen können.

Von den anderen beiden Werken ist die Niederlassung in Potsdam bereits vor einiger Zeit von der Stadt Potsdam übernommen worden. Der Betrieb Weißensee – im russischen Bereich Berlins – wird jetzt vom Berliner Magistrat treuhänderisch verwaltet. Das Betriebsvermögen gilt vorläufig nur als beschlagnahmt; eine formelle Enteignung ist noch nicht erfolgt. Das Werk arbeitet wieder und stellt Starkbier für die Besatzungstruppen und Einheitsbier für den zivilen Verbrauch her; die Jahreskapazität von 300 000 Hektoliter wird zu gut 50 v. H. ausgenutzt.

Die Kindl-Aktie ist an der Börse nur wenig hervorgetreten. Es kann daher angenommen werden, daß sich der Hauptteil der Aktien in festen Händen befindet. Ein Aktienpaket von 25 v. H. des Gesellschaftskapitals soll seinerzeit von der Dresdner Bank aufgekauft worden sein.

Die Berliner Kindl-Brauerei teilt das Schicksal vieler Unternehmen, deren Betriebe teils sozialisiert. teils durch die Besatzungsmächte zu Reparationszwecken beschlagnahmt wurden. In den rechtlichen Bestand derartiger Unternehmen wurde bisher noch nicht eingegriffen. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Kindl-Brauerei würde daher grundsätzliche Bedeutung besitzen. Sie würde einen Präzedenzfall schaffen, der die Prognose für die Entwicklung in den übrigen Konzernen erleichtert. ck.