Ich bin bei einem Freunde zu Besuch gewesen. In Lübeck. Und noch etwas weiter draußen. Dort, wo die Stadt schon aufgehört hat, hatte der Freund sich niedergelassen. Er hatte sein Haus hier zuerst hingestellt, zuerst die Erde mit dem Spaten umgebrochen. Dann war eine Siedlung entstanden, und das Land hatte sich belebt.

Davon sprachen wir in diesen Tagen. Von dem Anfang. Wie es einmal war. Und wie es dann wurde mit der Zeit.

Wir hatten uns lange nicht gesehen. im Kriege trafen wir uns im Osten. Aus Kameraden wurden wir zu Freunden. Dann verwehten uns die Befehle der Mächtigen ... Vier Jahre sind vergangen seitdem. Der Krieg hat uns beide gezeichnet.

Damals, als wir oft darüber sprachen, was werden würde, wenn der Krieg zu Ende sei, damals sahen wir bereits das Bild des großen Zusammenbruchs. Aber wir glaubten doch an die Befreiung, an die äußere und dann auch an die innere.

Nun ist vieles anders geworden. Es ist so gekommen. wie wir es wußten, und wie wir es damals schon im Geiste lebten: der Wahn der Führenden und ihrer Hörigen zerstob, das große Wort erlosch und die Trompeten schwiegen, aber trotzdem!

Etwas zerbrach in uns allen, was wir damals nicht miteinkalkulierten. Jedem zerbrach etwas oder gar vieles! An seiner Gesundheit des Leibes oder der Seele, in seiner Vorstellung oder in seiner Wirklichkeit des einstigen Zuhause. Wir waren lange im Kriege, starben hundertfältig mit seinem Leid und erhoben uns wieder, wollten ihn. nicht, verwünschten ihn, lehnten uns auf und richteten unseren Sinn auf den kommenden Frieden, aber jetzt sehen, spüren, wissen wir, daß wir die langen Jahre nicht als ungelebt beiseite tun können. Und der Friede, für den wir uns rüsteten, ist gar nicht da. Der Krieg brennt weiter. Seine Wunden brennen weiter. Es ging zu vieles unter. Es stellte sich heraus, daß auch die Geräte des Friedens zerbrochen waren, als das Ende des Krieges uns an die Wüste unseres Landes zurückgab, um es urbar zu machen für den Frieden.

Ich unterhielt mich mit dem Freunde darüber, da draußen, wo er einst Pionier gewesen war und ein kleines, friedliches Reich gebaut hat. Wir müßten jetzt wieder Pioniere sein. Für den Frieden, weit hinaus in das verwüstete Land wirkend! O ja, wir wissen schon, was wir müßten und sollten! Die Theorien sind schon gut und richtig und lassen sich auch politisch gut mit Parteiprogrammen und Parteireden an die Leute herantragen, aber trotzdem und wiederum trotzdem muß ich sagen – sie sind auch grau. Denn bau nun einmal einer den rechten Frieden ohne das rechte Gerät dazu, ohne den gesunden Leib und die gesunde Seele, ohne etwas in den Händen zu haben, mit dem sich bauen ließe!