zu sprechen, als hier tind da sich Neigung zeigt, ~ TTie Versicherungswirtschaft ist eine "Verbundflechtungen, mögen sie auch die Form kapitalistischer Beteiligungsverhältnisse haben, sind letztlich durch die assekuranztechnischefTLebensgesetze bedingt. Deren wichtigstes heißt Risikoverteilung. Sie wird zunächst innerhalb der einzelnen Unternehmen angestrebt und gibt hierdurch Anlaß zur Konzernbildung; weiter ist sie Veranlassung zu dem weitverzweigten Netz der "Pods" und Rückversicherungen, das in normalen Zeiten nach allen Seiten weit über die Grenzen der Nationalwirtschaften reichte. Es liegt auf der Hand, daß ein derartiges Gebilde nach der Zerstörung der internationalen Beziehungen von der Aufspaltung Deutschlands besonders betroffen werden mußte. Ein Zustandsbild des deutschen Versicherungswesens zu entwerfen, bedeutet daher vor allem, einen Überblick über die Zoneneigentümlichkdten zu geben.

In der russischen Besetzungszone, um im Osten zu beginnen, wurden nach einem erfolgversprechenden Wiederaufbaubeginn die privaten Gesellschaften im Herbst 1945 durch ein striktes Arbeitsverbot stillgelegt. Zur Befriedigung des jeder Wirtschaft innewohnenden Versicherumgsbedürfnisses wurden mit kräftiger Unterstützung der sowjetischen Militärbehörden öffentlich rechtliche Unternehmen (Landesversieherungsanstalten) mit regionalem Betätigungsbereich geschaffen und zum Teil, vor allem in der Gebäudefeuerversieherung> mit Monopolrechten ausgestattet. Ein neuerer Befehl Marschall Schukows hat mun freilich für die hiernach verbleibenden stark eingeengten Arbeitsgebiete die Errichtung neuer ftwatgeseifcehafteti gestattet, aber unter Bedingungen, nach denen "neu" als kompromißlose Absetzung von den früheren Betrieben zu verstehen ist. Unter Beschränkung auf regionale Arbeit dürfen sich die zu gründenden Gesellschaften weder sichlieh noch personell als Fortsetzung der bisherigen Organisation darstellen, die als wertlose oder :um mindesten stark entwertete Konkursmasse betrachtet wird. Trotz einiger bereits erfolgter Neuzulassungen wird in Faehkreisen sehr bezweifelt, daß sich unter solchen Voraussetzungen ein wesentliches privates Assekuranzgeschäft entwickeln könne wird. Aber selbst wenn dies Urteil zu pessimistisch sein sollte, es wird auf jeden Fall eine starke Annäherung an den Zustand entstehen, 4er in dem Programmentwurf der sozialistischen linheitspartei gefordert wird: Überführung aller öffentlichen Betriebe, der Bodenschätze und Bergwerke, der Banken, Sparkassen und Versicherutgsunternehrnungen in die- Hände der Gemeinden, Provinzen und Länder oder der gesamt deutschen Regierung.

Solange die völlige Blockierung aller vor dem 8. Mai 1945 bestehenden Guthaben bei den Kreditinstituten aufrechterhalten bleibt, fehlt es auch weitgehend an den finanziellen Möglichkeiten für eine Neuentwicklung des privaten Versicherungsgeschäfts. Von einer Aufhebung der Sperre ist vorläufig nicht die Rede, vielmehr haben sich die Aussichten dafür, soweit sie überhaupt bestanden, durch die Freigabe von 300 oder, in sozialen Sonderfällen, 400 RM je Sparguthaben noch verschlechtert, weil in diesem Zusamemnhang äie Überführung der Forderungen und Hypotheken ier geschlossenen Banken auf die die AusjSahhmgen durchführenden neuen Sparkassen verfugt wurde. Kann man hiernach von einem "östlichen Typ" der gegenwärtigen deutschen Versicherungswirtschaft sprechen, so muß Berlin — das ist zur Berichtigung mancher falschen Vorstellungen nachdrücklich zu betonen — ausgenommen werden. Es stellt sich einheitlich mit allen seinen vier Sektoren als die "fünfte Zone" dar, für die spezifische eigene Bedingungen gelten.

In Berlin ist es zu keiner grundsätzlichen Äncerung des Verhältnisses zwischen öffentlicher und privater Versicherung gekommen, auch nicht im Feuergeschäft. Die seit dem 1. Oktober 1945 arbeitende "Feuer Versicherungs Anstalt Berlin 1juristisch nicht Rechtsnachfolgerin der früheren Feuer Sozietät, hat freilich in den Innenbezirken, aber nur in diesen, also ohne Expansion, deren Platz als öffentliche Pflichtversidierting für Gebäude übernommen. Im übrigen sind die privaten Gesellschaften im Sachgeschäft keinen Beschränkungen unterworfen, ausgenommen die Forderung, daß die Prämiengestaltung trotz der vielfach stark erhöhten Risiken dem Preisstopp unterliegen soll, wogegen die Gesellschaften sich zu wehren versuchen. Die Privatunternehmen dürfen ebenso nach Neuzulassung die Lebensversicherung gemäß bestimmten Richtlinien — u a ein Einheitstarif — betreiben, jedoch nur auf Risikobasis (Auszahlung lediglich im Todesfall), da für Kapitalversicherungen heute noch die zinsbringenden Anlagemöglichkeiten fehlen. Alte Verträge können fortgesetzt werden, wenn die bisherigen Prämien (seit Mai 1945) weitergezahlt werden. Auszahlungen erfolgen allerdings auch hier nur im Todesfalle, weil ja die angesammelten Deckungsreserven verloren oder wenigstens vorläufig in ihrem tatsächlichen Werrinhalt sehr zweifelhaft sind. Die Lebensversicherung ist derart in Berlin, wie die Sachversicherung schon stets, Institution zur Deckung eines (übrigens bei ungefähr auf das Fünffache des Normalstandes erhöhter Sterblichkeit stark vergrößerten) Risikos geworden. Das begründet "über der! Daumen gepeilt", auch die Weitererhebung der alten Prämien trotz Fortfalls des Sparanteils, mit unterschiedlicher materieller Bedeutung für die Versicherten. Bei Neuabschluß, der natürlich, das Schicksal der Ansprüche aus den alten Verträgen abwartend, möglich ist, würden sie nur die, gegen früher freilich wesentlich gesteigerte, TUsikoprämie zu zahlen haben. Das würde, fallweise verschieden, eine Verminderung oder auch wegen des nunmehr höheren Eintrittsalters eine Vergrößerung der Beitragsleistung bedeuten.

Ein besonderes Wort verdient noch die Berliner Regelung für das Sozialversicherungsgebiet, die unter Zusammenfassung aller Zweige in einer Anstalt eine Ausdehnung der Pflichtversicherung auf praktisch alle Beschäftigten gebracht hat. Die Prämie ist mit 20 v. H des Arbeitseinkommens recht hoch, scheint aber heute noch nicht zur vollen Auswirkung zu kommen. Man muß es als Folge des in den "Brieftaschen Tresoren" verbliebenen oder durch die zwangsweise Konsumbeschränkung laufend neu entstehenden Geldüberhanges ansehen, daß die Zusatzversicherungen bei den privaten Kranken ist versicherungsunternehmen bisher einen überraschend großen Umfang haben.

In den drei westlichen Zonen schließlich arbeitet die Versicherung in Parallele zur Bankwirtschaft, als ob sich in ihren- Lebensbedingungen nichts geändert hätte. Es ist dies allerdings cum grano salis zu verstehen, denn ganz läßt sich natürlich die TatSache des Zusammenbruchs mit seinen schweren finanziellen Auswirkungen nicht ignorieren. Das drückt sich in der Lebensversicherung vor allem darin aus, daß für durch Prämienzahlung seit Mai 1945 weitergeführte Verträge eine Auszahlung im Erlebensfälle prinzipiell nur bis 1000 RM voll und im übrigen bis zu 40 v. H erfolgt. Sie ist als Vorschuß unter Vorbehalt späterer, von der gesamten finanz- und währungswirtschaftlichen Reorganisation abhängender Lösung des Problems der alten Vermögensbestände zu verstehen. Man kann selbstverständlich endgültig nur so viel zahlen, wie aus den Deckungsreserven verbleibt und anteilsmäßig auf die einzelnen Verträge entfällt. Bei Todesfällen, die nach dem 8. Mai 1945 eingetreten "sind und künftig noch eintreten, erfolgt volle Auszahlung , wie in gemeinsamen Richtlinien der führenden Unternehmen in den drei westlichen Zonen vereinbart wurde.

Abgesehen hiervon wird in den westlichen Zonen das Versicherungsgeschäft grundsätzlich in den von der alten organisatorischen und gesetzlichen Struktur bestimmten Formen fortgeführt. Auch in der Sozialversicherung wird rechtlich und praktisch an den bestehenden Grundlagen festgehalten. Von neuen tendentiellen Erscheinungen ist nur insofern den aus der gegenwärtigen Zerreißung der gesamtdeutschen Zusammenhänge und unterschiedlichen Anordnungen der Zonenbehörden entstehenden "Autarkiezwang" zum Entwicklungsgesetz zu machen. Es mag aber vorläufig wohl noch zu weit gehen, wenn in Berlin von Zeichen eines Versicherungs Separatismus gesprochen wird. Man dürfte sidKauch im Westen bewußt sein, daß die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands für das Versicherungswesen im besonderen Maße lebensnotwendig ist Für die Frage nach der Zukunft des deutschen Versicherungswesens vermag der Augenblickszustand wohl einige, doch kaum sichere Fingerzeige zu geben. Ziemlich unvereinbar stehen sich zunächst für das alte Geschäft die östliche Konkursthese und die westliche Auffassung gegenüber, daß von den angesammelten Vermögensbeständen ein bedeutender Teil noch vorhanden sei. Die Lage wird dadurch für eine einheitliche Regelung erschwert, daß die praktischen Maßnahmen, wie unsere Zustandsskizze zeigt, das angenommene Inventurergebnis weit , gehend präjudizieren.