Keine Handelsflotte hat eine so wechselvolle Geschichte hinter sich wie die deutsche. Zunächst entstand sie verhältnismäßig spät, nämlich nach der Gründung des Reiches langsam in den siebziger Jahren, entwickelte sich dann aber sehr schnell und nahm schließlich die zweite Stelle in der Weltrangordnung nach Großbritannien ein. Dann aber kam. der Krieg, an dessen Ende die Auslieferung der Flotte bis auf einen Rest von 400 000 BRT stand. 1920 stand Deutschland zur See wieder dort, wo es vor 40 Jahren angefangen hatte. Aber es blieb ihm die Chance des Wiederaufbaues, der energisch und erfolgreich durchgeführt wurde. 19 39 verfügte Deutschland wieder über einen Handelsschiffsraum von 4,2 Mill. BRT, die Flotte war modern und für einen spezialisierten Außenhandel bestens zugeschnitten. Sie verzehrte sich in einem Kriegseinsatz, der ihr große Verluste auferlegte. Nur 1,19 Mill. BRT blieben beim Zusammenbruch übrig, einschließlich der Neubauten, die während des Krieges unter Einschaltung verschiedener europäischer Länder durchgeführt worden waren.

Dieser Rest ist nun auf 17 Länder aufgeteilt worden. Nach der Entscheidung der interalliierten Reparationsagentur gehen zwei Drittel, also rund 800 000 BRT, an die 15 Länder, die am angloamerikanischen Schiffahrtspool beteiligt sind, und 400 000 BRT an die Sowjetunion und Polen. Rußlands Anteil ist damit prozentual am höchsten, sowohl gemessen an den Kriegseinbußen an Tonnage als auch an der Größe der Handelsflotte. Aufschlußreicher ist die Verteilung der 800 000 BRT, von denen 365 000 BRT an England gehen. Die Berechnung erfolgt folgendermaßen: England und das Empire hatten Kriegsverluste an Handelsschiffsraum von insgesamt 10,87 Mill. BRT oder 46,04 v. H. des Bestandes von 1939. Mit dem gleichen Hundertsatz wird es nun an der Aufteilung der deutschen Handelsflotte beteiligt. Es erhält also 46 v. H. von 0,8 Mill. BRT gleich 365 000 BRT im Werte von 9 Mill. Pfund. Für die Vereinigten Staaten sieht die Rechnung folgendermaßen aus: Kriegseinbußen 4,21 Mill. BRT oder 17,8 v. H. des Bestandes, also Entschädigung 141 000 BRT im Werte von 3,5 Mill. Pfund.

Daraus ergeben sich folgende Anteile der übrigen Länder:

Zusammen sind damit etwa 775 000 BRT aufgeteilt, der kleine Rest bis zu 800 000 BRT entfällt auf die nicht namentlich aufgezählten Teilnehmer am angloamerikanischen Schiffahrtspool. Der Gesamtwert der 1,19 Mill. BRT wird auf 20 Mill. Pfund geschätzt. Das entspricht einer Bewertung von 10,5 Pfund für die Bruttoregistertonne, so daß sich eine beträchtliche Wertminderung des Schiffsraumes durch den Krieg ergibt. Die Schätzung ist auf Grund der Schiffbaukosten von 1938 erfolgt. Damals mußten für einen Normaltramper von 7500 t etwa 14 Pfund je Tragfähigkeitstonne beim Neubau aufgewendet werden. Das entspricht einem Preis für die Bruttoregistertonne von rund 20 Pfund. Der Wertabschlag stellt sich danach auf weit über die Hälfte, denn bei dem Rest der Handelsflotte handelt es sich, wenigstens zum Teil, um Schiffe recht hoher Qualitäten.

An Seeschiffraum bleibt für die deutschen Bedürfnisse nichts zurück. Die noch vorhandenen 175 000 Tragfähigkeitstonnen dienen lediglich der Küstenschiffahrt und setzen sich entsprechend aus kleinen Einheiten, meistens Motorseglern und ähnlichem, zusammen. r. e.