England liefert zunächst 60 000 Tonnen Weizen an die britische Besatzungszone in Deutschland. insgesamt werden 200 000 t Weizen durch die britische Regierung an die Hungergebiete der Welt abgegeben, und zwar auf Grund einer Zusicherung, daß die USA und Kanada im Laufe der nächsten drei Monate die gleiche Menge England erstatten. 70 000 t gehen an Länder, die von der UNRRA versorgt werden, 60 000 t an Indien, 10 000 t an Südafrika und die restlichen 60 000 t, wie erwähnt, nach Deutschland. Als erste Maßnahme hat die britische Regierung verfügt, daß sechs auf England schwimmende Weizen-Schiffe nach Festlandshäfen beordert werden und ihre Ladungen für Polen, Italien, Österreich und Griechenland löschen.

Das Vereinigte Ernährungsamt verhandelt mit einer Reihe anderer Länder, um von ihnen ähnliche „Vorschußlieferungen“ wie von Großbritannien zu erhalten. Insbesondere rechnet man mit zusätzlichen argentinischen Weizenlieferungen. Argentinien hat der UNRRA jede mögliche Hilfe zugesagt und wird 600 000 t Getreide nach Italien senden. Außerdem gibt Argentinien an Spanien einen Lebensmittelkredit von 30 Mill. Pesos.

Im April sind statt der vorgesehenen 1 Mill. t Getreide und Mehl aus den USA-Häfen nur etwas über 500 000 t verschifft worden, darunter 16 000 t nach Deutschland. 75 000 t nach Frankreich und 48 000 t nach Japan. 21 Schiffe konnten wegen fehlender Zufuhren nicht auslaufen.

Die UNRRA kann, da ihre Vorräte erschöpft sind, nach dem 25. Mai Österreich nicht mehr versorgen. Falls es nicht gelingt, neue Zufuhren zu ermöglichen, ist damit zu rechnen, daß Österreich nur noch 230 Kalorien täglich zuteilen kann gegen 1200 Kalorien jetzt.

Nach Hoovers Vorschlägen sollen die Weizenlieferungen nach den lateinamerikanischen Staaten (durch die USA, Kanada und Argentinien) um 40 v. H. gekürzt werden. Die USA sollen ihre monatliche Lieferung auf 1,1 Mill. t bringen, und die Sowjetunion soll monatlich 300 000 t ausführen; ferner soll England aus seinen Vorräten insgesamt 500 000 t abzweigen. Hoover schlägt weiterhin die einheitliche Festsetzung einer Brotration von 300 Gramm täglich für die europäischen Länder vor. Er will nun auch den Weltsicherheitsrat mit der Versorgungsfrage befassen.

Das britische Kabinett hat die Einführung der Brotrationierung abgelehnt; es wurde jedoch beschlossen, Weizen durch andere Maßnahmen einzusparen: stärkere Ausmahlung, beschränkte Verwendung von Weizenmehl für Brot, Kuchen und Keks; dazu kommt eine Beschränkung des Gersten-(Malz-)Verbrauchs für die Bierbrauereien.

Als Ersatz für Weizen wollen die USA demnächst Hafer liefern. Die Ausfuhr des ab Juni in den Südstaaten der Union hereinkommenden Weizens neuer Ernte soll beschleunigt werden.