Zu der Preisanomalie zwischen Blei und Zink – Blei jetzt teurer, vor dem Kriege billiger als Zink – ist eine neue getreten. Nach den Londoner Preiserhöhungen für Kupfer (das seit Dezember 1939 unverändert 62 Pfund Sterling je Tonne notiert hatte) auf 72 Pfund, für Zink um 8 Pfund auf 39 Pfund 5 Schilling und für Blei um 6 Pfund auf 45 Pfund je Tonne und der gleichzeitigen Senkung des Preises für Aluminium auf 76 Pfund je Tonne (gegen bisher 85 Pfund, und noch 110 Pfund vor Jahresfrist) ist, zum erstenmal in der Geschichte der Metallpreise, Aluminium billiger als Kupfer. Es handelt sich um die offiziellen Verkaufspreise der britischen Regierung, die auch die Metalle noch durch Bulk-Käufe heranschafft, wobei sie individuelle Kontrakte mit den einzelnen Produzenten durchführt. Der bisherige Kupferpreis war nicht. mehr aufrechtzuerhalten, weil er in den USA beispielsweise 11,75 Cents je Pfund (elektro) beträgt. Das sind umgerechnet 66 Pfund Sterling je Tonne.

Die immer noch steigende Tendenz der Metallpreise ist beachtlich, weil sie insbesondere für Kupfer im Gegensatz zu der Vorratslage steht. Kupfer ist reichlich vorhanden, und auch die zum Teil abgedrosselte Produktion (in den USA, in Rhodesien, Chile, Kanada) deckt den Bedarf vollständig. Aber es besteht eine erhebliche Nachfrage, etwa durch Frankreich, Italien, Belgien, Spanien, Palästina, die Türkei, und der Wunsch nach Unterhaltung strategischer Reserven, wie in den USA.

Immerhin besteht der Wettbewerb um den Konsumenten durch das Aluminium. Dieses Leichtmetall ist noch reichlicher vorhanden als Kupfer, und die Vorräte drängen an den Markt, nachdem die typische Kriegsverwertung, zumal für den Flugzeugbau, stark zurückgegangen ist. Daneben hat sich Aluminium jedoch einen weiten Verwendungsspielraum auch für die zivile Produktion schaffen können, und es ist seit langem als Austauschmetall für Kupfer bekannt und begehrt. Dieser Austausch, also der unmittelbare Wettbewerb zum Kupfer, hängt nun freilich entscheidend von der Preisrelation ab, wenn nicht mehr Sonderbedürfnisse und Knappheiten wie in Kriegszeiten die Wahl des Metalls vorschreiben.

r. e.