Von Dipl.-lng. Paul Wilkcn, Präsident der Handwerkskammer Hamburg

Gemessen an dem gesamten Volumen des Exports deutscher Erzeugnisse, wie er sich in den letzten fünfzehn Jahren darstellte, machte der Export von Handwerkserzeugnissen einen nicht sehr bedeutenden Teil aus. Immerhin betrug er z. B. nach einer für das Jahr 1935 angestellten genauen Ermittlung rund 140 Mill. RM.

Es kommt heute darauf an, jeden Teil der Wirtschaft zur Mithilfe am Export heranzuziehen, und somit tritt auch die Notwendigkeit an das Handwerk heran, mit allen Kräften für den Export geeignete Erzeugnisse zu fertigen. Bei einer solchen auf den Export abgestellten Fertigung von Handwerkserzeugnissen ist sich das Handwerk von vornherein im klaren, daß es sich nicht etwa um Konkurrenz gegen ausgesprochene Exporterzeugnisse industrieller Fertigung handeln kann. Bei einem etwaigen Versuch des Handwerks, mit Industrieerzeugnissen im Export zu konkurrieren, würde das Handwerk hoffnungslos den kürzeren ziehen, und es würde sich eine Fehlleitung von Arbeitskraft ergeben, die wir uns heute weniger denn je gestatten können. Das Handwerk ist sich bewußt, daß es nur mit seinen typischen Einzeierzeugnissen im Export ergänzend auftreten kann.

Die für den Export in Frage kommenden Erzeugnisse des Handwerks sind im höchsten Grade lohnintensiv. Gerade in der heutigen Zeit allgemeiner Materialverknappung kommt – abgesehen von allen andern Gesichtspunkten – lohnintensiven Erzeugnissen eine ganz besondere Bedeutung zu. Anderseits sind sie auch für das Importland besonders wertvoll weil diese Art Export individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Verbraucher oder Gebraucher Erfüllung bringt. Das Individuelle des Handwerkserzeügnisses im Export kann durch die absolute Einzelfertigung, zugeschnitten auf den einzelnen Bedarfsfall, gegeben sein; es kann gegeben sein durch eine besondere Feinheit und Genauigkeit auf technischem Gebiet, die für Einzelstücke zu erreichen schon rein kostenmäßig.nicht im Rahmen industrieller. Fertigung liegen würde. Das Individuelle kann weiter in Dingen des Geschmacks und der Formgebung seinen Niederschlag finden. Aus all diesen Zusammenhängen heraus hat das Handwerkserzeugnis stets mit im Export gelegen.

Da es sich beim Export handwerklicher Erzeugnisse überwiegend um Individualerzeugnisse handelt, läßt sich die Durchführung des Verkehrs mit den Importinteressenten durchweg auch nur mit speziellen Methoden und auf individueller Basis betreiben. Hieraus ergibt sich, daß – von der Unkostenseite her betrachtet – die Hereinbringung handwerklicher Erzeugnisse in den Export beispielsweise für Händlerfirmen nur bedingt interessant ist, auf jeden Fall nur interessant werden könnte bei einer absoluten Spezialisierung. Anderseits ist aber auch eine Betätigung von Handwerksbetrieben im direkten Export erfahrungsgemäß nicht rationell, ganz abgesehen davon, daß sie aus prinzipiellen Erwägungen auch nicht erwünscht erscheint. Der Handwerksbetrieb kann nach seiner Struktur, und besonders wenn es sich um die Fertigung von Einzelerzeugnissen handelt, als einzelner nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von Importkunden bedienen. Hieraus ergibt sich ohne weiteres, daß somit unkostenmäßig besondere Nachteile für den einzelnen Betrieb erwachsen. Während z. B. für das Industrieerzeugnis in zahlreichen Importländern gleichzeitig Werbung betrieben werden kann, wäre dies für ein Handwerkserzeugnis durchweg, nicht möglich. Denn nach seiner Individualität, die Voraussetzung für seine Exportfähigkeit vieler seiner Produkte ist, würde es vielleicht gar nicht in mehreren Ländern nebeneinander, ansprechen; auf jeden Fall wäre eine Bedarfsdeckung für mehrere Länder nach der Struktur des Betriebes nicht ohne weiteres möglich. Es kommt hier z. B. unbedingt darauf an, nun wieder den einzelnen Handwerksbetrieb mit seinen Individualerzeugnissen auf bestimmte Länder, vielleicht sogar auf bestimmte Städte einzustellen. Ebenso müßte eine Verfeinerung der Verkaufsmethode dahin führen, daß z. B. auf technischem Gebiet das Erzeugnis des einzelnen Betriebes auf bestimmte Einzelbedürfnisse bestimmten Abnehmergruppen eingestellt würde.

Auf dem Wege über eine solche ausgesprochenste Spezialisierung eröffnet sich alsdann auch die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Händlerfirmen und Exportvertretern. Aus diesen Zusammenhängen heraus hat sich ein großer Teil der Handwerksbetriebe seit langen Jahren bei der Bearbeitung der Exportinteressen der Ausfuhrstelle des Deutschen Handwerks G. m. b. H. bedient, die ihrerseits wieder, soweit irgend möglich, mit Exporthändlern zusammenarbeitet. Fertigung des Handwerks, wie, um nur einige wenige zu nennen, Erzeugnisse aus der Präzisionsmechanik, spezielle Kleinmaschinen und -geräte, Feinlederwaren, Modell-Bekleidung, Klavier- und Geigenbau, Goldschmiedearbeiten und überhaupt kunstgewerbliche Arbeiten im weitesten Sinne müssen ihren alten Platz im Export wieder einnehmen und somit zur Lösung der derzeitigen Schwierigkeiten einen wesentlichen Beitrag leisten. Das Handwerk steht bereit, um in dieser Richtung am Export mitzuhelfen; es verfügt über die Erfahrungen und Einrichtungen, um die Exporttechnik auch den derzeitigen Erfordernissen anpassen zu können.