Nach den Zahlen, die Hoover neuerdings genannt hat, betragen die „sichtbaren Vorräte“ an Brotgetreide 5 Mill. Tonnen, während der Bedarf bis zur neuen Ernte auf 11 Mill. Tonnen zu veranschlagen ist. Es sind, wie Trumans Sonderbeauftragter weiter ausführte, in der Zusammenarbeit zwischen den großen Erzeugerländern – genannt wurden die USA, Kanada, Argentinien, Großbritannien, Australien, Thailand und Rußland – „einige Fortschritte gemacht worden, die Versorgungslücke zu schließen“.

Da die Ernte in den südlichen Ländern der nördlichen Halbkugel, wie etwa in Algier und Tunis, jetzt hereinkommt, müßte es gelingen, durch Verbrauchskürzungen einerseits und verstärkte Verwendung von Gerste, Hafer, Mais, Hirse und Soja anderseits zum Strecken der Vorräte an Weizen, Reis und Roggen, den Anschluß an die neue Ernte zu erreichen. Voraussetzung wäre dabei wohl eine Aufbesserung der Preise für die genannten „Ersatzfrüchte“. Eine weitere Voraussetzung wäre, daß alle Bedarfsländer ihre Minimalforderungen eindeutig festlegen.

Aus der Fülle von Einzelnachrichten zur Versorgungslage seien die folgenden hervorgehoben:

In den USA ist die Brotrationierung erneut, als ‚,zu spät kommend“, abgelehnt worden. Die Zuteilung von Getreide an die Brennereien wurde um 40 v. H. gekürzt. Nach Deutschland. Österreich und Japan dürfen l.cbensmittelpakete gesandt werden.

England hat das Brotgewicht um 25 v. H. herabgesetzt; der Preis bleibt derselbe. Die staatlichen Verbilligungszuschüsse fallen also weg; zugleich erwartet man als Folge dieser Maßnahme einen Verbrauchsrückgang. Die Ausmahlungsquote wurde um 5 v. H. erhöht. Die Zuweisung von Gerste an die Brauereien wurde um etwa 12 v. H. gekürzt.

Die Zufuhr von 60 000 Tonnen Getreide für die britische Zone, aus englischen Reserven, über die bereits berichtet wurde, bedeutet nur einen Vorrat für die nächsten neun Tage – erklärte ein britischer Offizier auf einer Pressekonferenz in Berlin. Eine wesentliche Hilfe könne, wie er weiter ausführte, darin liegen, daß entsprechend den Potsdamer Beschlüssen die Lebensmittelvorräte aller vier Zonen gleichmäßig verteilt würden.

Polen hat keinerlei Brotgetreide-Reserven bis zur neuen Ernte mehr, ist also völlig auf Zufuhren angewiesen. Ab 1. Mai ist die Tagesration von 300 auf 200 g gekürzt worden.

G. K.