Das eigentliche Thema der Außenhandelstagung in Hamburg, einer gemeinsamen Veranstaltung des Wirtschaftsrats für die britische Zone (Sitz Minden) und der Hamburger Handelskammer, sollte ursprünglich die Frage der zweckentsprechenden Exportorganisation sein. Ein Alternativplan, vom Verein Hamburger Exporteure ausgearbeitet, bildete die Diskussionsgrundlage. Aber die Erörterung ging schnell von den organisatorischen Fragen zur Grund- und Hauptfrage hin, ob denn überhaupt jetzt eine Ausfuhr möglich, ob genug exportfähige Ware vorhanden sei.

Sachverständige aus den verschiedensten Wirtschaftszweigen haben dies bejaht. Mehr noch: sie haben eindringlichst die baldige Aufnahme der Ausfuhr gefordert. Das Wort „Export-Stoß“ wurde geprägt. Industrie und Handel (und, wie wir hinzufügen dürfen; auch das Handwerk) wollen der ehemaligen Abnehmerschaft im Ausland möglichst bald schon zeigen, daß sie noch „da“ sind.

Ware ist also vorhanden, und es wird bei einigem Nachdenken auch klar, warum ihre Besitzer es vorziehen, sie nicht auf den Binnenmarkt zu bringen? sondern sie zu exportieren – unter der selbstverständlichen Voraussetzung, mit Reichsmark abgefunden zu werden, weil die Exportdevisen eben für lebenswichtige Einfuhren gebraucht werden. Wenn man die Dinge einmal in zugespitzter Formulierung sagen darf, so geht es darum, die letzten Bestände an Fertigfabrikaten auszuführen, damit (zur Bezahlung der Lebensmitteleinfuhren) weniger Kohle exportiert werden muß, damit endlich einmal etwas Kohle übrigbleibt, um ein Anlaufen der Produktion, im wesentlichen für neue Exporte natürlich, zu ermöglichen. Es ist der desperate Entschluß, das Letzte an Vorräten einzusetzen, in der Hoffnung, so vielleicht doch noch, nach einem Jahr des Abwartens, zu der „Initialzündung“, zum Anlaufen der Produktion (wenn auch nicht allgemein, so doch wenigstens auf breiterer Basis) zu kommen.

Die Kontrollkommission wird nun zu prüfen und zu entscheiden haben, ob sie Vorschläge dieser Art für durchführbar und für zweckmäßig hält. – Daß bei dem in der USA-Zone gewählten Omgus-Verfahren für den Export offenbar keine befriedigenden Ergebnisse zustande gekommen, ist kürzlich auf einer Pressekonferenz des Mil. Gov. den Vertretern amerikanischer Zeitungen mitgeteilt worden. Waren im Werte von 70 Mill. RM sind für die Ausfuhr freigegeben; abgewickelt wurden einige Geschäfte mit Dänemark über 180 000 RM. Wie neuerdings gemeldet wurde, haben die Ausfuhrverträge inzwischen den Stand von 380 000 Dollar erreicht. Die Einfuhrverträge, die 1,28 Mill. Dollar ausmachen, betreffen Saatkartoffeln, Hanf, Zellstoff. Graphit und Arsen; Baumwolle wird nicht mit aufgezählt, da offenbar diese „Regierungsware“ nach einem andern Verfahren abgerechnet wird.

Ebenso schwerwiegend wie das Stagnieren des Außenhandels ist das fast völlige Versagen des Interzonenverkehrs.

Von amerikanischer Seite wurde gesagt, das Haupthindernis für das Anlaufen der deutschen Industrieerzeugung liege darin, daß sich die deutschen Unternehmer weigerten, Waren in andere Zonen zu verkaufen, ohne von dort – als „Rückfracht“ – Waren gleichen Wertes und gleicher Dringlichkeitsstufe zu beziehen. Daß diese Weigerung nur symptomatisch ist für eine sehr viel tiefer liegende Erwägung – weil nämlich der Erlös allein nicht die Wiederbeschaffung zuläßt –, dürfte klar sein.

Zum Schluß noch ein Zitat aus Berlin. Der Präsident der deutschen Industrie-Zentralverwaltung für die Sowjetzone hat erklärt: „Die schnelle und umfassende Ingangsetzung des Interzonenverkehrs und der Zusammenschluß der deutschen Wirtschaft zu einem einheitlichen Ganzen wird die industrielle Leistung weitgehend verbessern. Trotz aller Bemühungen läßt sich die Rohstoffnot in der Sowjetzone allein nicht meistern.“ Im einzelnen wurde hervorgehoben, daß die russische Zone auf Eisen- und Stahllieferungen der Westzonen angewiesen sei, Und daß sie Baumwolle, Wolle und Leder aus Lieferungen der sowjetischen Militärverwaltung erwarten dürfen. E. T.