Als das staatliche Getreidemonopol auf die Einfuhr überzugreifen drohte, begegneten die Getreideeinfuhrhändler dieser Gefährdung ihrer Existenz dadurch, daß sie sich 1935 genossenschaftlich zum Deutschen Getreidekontor zusammenschlössen. Das Kontor, dem später auch die Hülsenfruchteinfuhrhändler beitraten, sollte zwischen den Wünschen und Forderungen des Staates und ihrer privatwirtschaftlichen Erfüllung vermitteln. Die staatlichen Stellen haben sich dieser Hilfe anfangs zögernd, jedoch zuletzt ausschließlich bedient.

Die Generalversammlung des Kontors, die kürzlich in Hamburg tagte, erhob nun nicht den alten Kampfruf der sogenannten freien Wirtschaft: „Hie Handel allewege!“ – sondern erkannte die öffentliche Verantwortung an, Land und Leute ausreichend, regelmäßig und preiswürdig mit Getreide zu versorgen. Mit einem einhelligen Bekenntnis zu dem bisherigen Wege bot man sich erneut an, fachgemäß Getreide einzukaufen, einzuführen, zu lagern und zu verteilen. Unerörtert ließ man, ob und wann ein freier Welthandel in Getreide möglich sein wird. Klug und verständig beschränkt man sich auf den Hinweis, daß der erwerbswirtschaftliche Einfuhrhandel billiger und wendiger arbeitet als jeder Behördenapparat; man konnte sich auf die bisherige Bewährung beziehen und berichten, daß andere Handelszweige das Kontor als beispielhaft ansehen.

Dank dem Kontor sind im Getreideeinfuhrhandel mehr Personen und Firmen erhaltengeblieben, als es die Aufgabe verlangt. Es wurde die soziale Bedeutung dieser Wirkung nicht übersehen, doch die pflegliche Erhaltung eines Quoten- oder Kontingents-Rentnertum abgelehnt, weil sie dem volkswirtschaftlichen Ziel einer Einfuhr mit möglichst niedrigen Kosten widerspricht.

Klugheit, die frei von allem Dogma ist, hat dem Fachmann sein Arbeitsfeld erhalten; möchte es doch dem Kaufmann nicht allzu lange mehr verschlossen bleiben! sh.