Die Ablehnung der von der Nationalversammlung entworfenen Verfassung in Frankreich wird von den rechtsstehenden Zeitungen als eine Niederlage der Kommunisten und Sozialisten gewertet. Am 2. Juni wird eine neue Nationalversammlung gewählt werden, die eine neue Verfassung auszuarbeiten haben wird. Am Dienstag trat das französische Kabinett zusammen, um über die Lage der französischen Regierung zu beraten. Die Regierung besteht jetzt aus einer Koalition der Kommunisten, Sozialisten und der Fortschrittlichen Katholiken.

Außenminister Byrnes legte der Pariser Konferenz in der vergangenen Woche den Entwurf eines Abrüstungsvertrages für Deutschland vor. Drei Memoranden über eine Berichtigung des tschechoslowakisch-deutschen Grenzverlaufs, die Aussiedlung der sudetendeutschen Bevölkerung und die Rückgabe siebenbürgischen Gebietes, das früher zur Tschechoslowakei und jetzt zu Ungarn gehört, überreichte der tschechoslowakische Gesandte in Paris Außenminister Molotow zur Weiterleitung an die Außenministerkonferenz.

Am Donnerstag entschieden die Außenminister auf der ersten Vollsitzung, daß in der Adria die Inselgruppe mit Pelagosa südöstlich von Triest an Jugoslawien und die Insel Pianosa 20 Meilen westlich davon an Italien kommen soll. – Der italienische Ministerpräsident de Gasperi ist Ende voriger Woche in Begleitung des italienischen Botschafters in London und 18 weiteren Beratern in Paris eingetroffen, um den italienischen Standpunkt zu vertreten. Die jugoslawische Delegation, die gleichfalls Ende der Woche in Paris eintraf, wird von Ministerpräsident Kardely geführt. Die Frage der italienischen Reparationen und der Grenzziehung im Gebiet von Triest stand im Mittelpunkt der letzten Sitzungen und konnte bisher noch nicht gelöst werden. Rußland unterstützt die jugoslawischen Ansprüche auf. Triest und verlangt einen großen Anteil der italienischen Reparationszahlungen, wogegen die Westmächte Italien unterstützen. Außenminister Byrnes hat als Kompromißlösung eine Volksabstimmung in Venetia-Julia vorgeschlagen. Auch über die Verwaltung der ehemaligen italienischen Kolonien konnte bisher keine Einigung erzielt werden. Dagegen entschied die Konferenz in der vorigen Woche, daß Südtirol nicht an Österreich zurückkommen werde. Ein österreichischer Antrag auf kleinere Grenzberichtigung soll jedoch von der Konferenz der Außenminister geprüft werden.

Die Stellvertreter der Außenminister haben Anfang der Woche die Friedensverträge mit Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Finnland vorbereitet, die demnächst auf einer Vollsitzung behandelt werden.

Russische Truppen räumten am Montag Täbris und die restlichen Gebiete Aserbeidschans. Der Weltsicherheitsrat hat am Mittwoch den Bericht über die Räumung entgegengenommen. – Die Besprechungen zwischen der autonomen Regierung Aserbeidschans und dem persischen Ministerpräsidenten Ghauvam es Sultaneh haben bisher noch zu keinem Ergebnis geführt. Der Abschluß eines Freundschaftsvertrages zwischen der Regierung von Aserbeidschan und der kurdischen „Nationalregierung“, der am 24. April, noch unter russischer Besatzung erfolgt ist, wurde jetzt veröffentlicht.

Der Vorschlag der angloamerikanischen Palästina-Kommission, 100 000 Juden die Einwanderung nach Palästina so bald wie möglich zu gestatten, hat in allen arabischen Ländern zu Protestkundgebungen Anlaß gegeben.

Die Regierungskrise in Japan konnte bisher noch nicht gelöst werden, da General MacArthur den zum Ministerpräsidenten vorgeschlagenen Führer der Liberalen, Ichiro Hatoyama, nicht genehmigte. Der Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei wurde jetzt mit der Vorbereitung der Koalitionsregierung unter einem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten beauftragt.