Die gegenwärtige Industrieproduktion in der amerikanischen Besatzungszone ist unausgeglichen und liegt im ganzen weit unter dem Stand, der zur Aufrechterhaltung selbst eines Mindestlebensstandards notwendig ist.“ Diese Feststellung wurde in einem Bericht der Wirtschaftsabteilung bei der USA-Militärregierung für Deutschland getroffen. Obwohl sich die Industrieproduktion in der amerikanischen Zone im ersten Vierteljahr annähernd verdoppelt hat, wurde der Ausnutzungsgrad für Ende März nur auf etwa 20 v. H. der Kapazität geschätzt. Bezogen auf die Endkapazität, die nach Entfernung der für Reparationen bestimmten Industrieanlagen verbleibt, wird die Ausnutzung mit rund einem Drittel veranschlagt.

Die Kohlenförderung hielt sich im März weiterhin nahe der Leistungsmöglichkeit. Die Reparaturen an Lokomotiven und Waggons wurden auf 65 v. H. der geschätzten Kapazität der Werkstätten gebracht. Die lediglich durch Knappheit an Arbeitskräften und örtlichen Beförderungsmöglichkeiten behinderte Produktion von Bauholz hielt sich bei 65 7. H. der Kapazität. Die Leistungsfähigkeit der Kraftwerke, vor allem der Wasserkraftanlagen, wurde zur Hälfte ausgenutzt. Die Erzeugung der meisten anderen Industriezweige wird indessen weiterhin durch die Knappheit von Kohle und Stahl begrenzt.

Die Auswirkung des Mangels an Kohle und Stahl veranschaulicht der Bericht an einer Reihe von Beispielen: Die Produktion an Chemikalien erreicht nur 25 v. H. der Kapazität, an Baustoffen 20, v. H., an Stahlfabrikaten 13 v. H. und an keramischen Erzeugnissen sogar nur 5 v. H. Während die Erzeugung an Stahl durch den Kohlenmangel begrenzt wird, wirkt die Stahlknappheit wiederum auf die verarbeitende Industrie zurück: die Landmaschinenfabriken können ihre Kapazität nur zu 22 v. H. ausnutzen, die elektrotechnische Industrie zu 15 v. H., die Fabriken für Automobil-Ausrüstungen und der Maschinenbau nur zu 10 v. H.

Selbst diese Ausnutzungssätze, konnten in vielen Fällen nur durch Rückgriff auf alte Bestände an Chemikalien, Metallen, Bestandteilen und Halbfabrikaten aufrechterhalten werden, nicht jedoch durch neue Lieferungen aus der laufenden Erzeugung.