Hinter den Kulissen des deutschen Geheimdienstes von 1914 bis 1945

Canaris ist der Name eines Mannes, der in Deutschland bis zum Jahre 1945 lebte. Sein Geist wird oft im Nürnberger Gerichtssaal beschworen, denn er war vor und während des Dritten Reiches Chef der deutschen Spionage und der Gegenspionage.

Seine Großeltern stammen aus der Levante, sein Vater war griechischer Admiral. Und er selbst War vor dem Jahre 1914 kaiserlich deutscher Offizier in der deutschen Kriegsmarine. Im ersten Weltkrieg wurde er in Spanien an eine Mauer gestellt, um nach dem Urteil eines spanischen Gerichtes erschossen zu werden. Im allerletzten Augenblick rettete ihn das Schicksal, denn es hatte ihm bestimmt, in einem deutschen Konzentrationslager im Frühjahr des Jahres 1945 erhängt zu werden.

Er war klein von Gestalt, mit einem Gesicht von gelblicher Bräune, voll südlicher Lebhaftigkeit, und verband das Wissen eines wirklich Gebildeten mit den Manieren eines Mannes der großen Welt. Er war beherrscht von dem einzigen Gedanken, wie er sein irdisches Leben zu der denkbar größten Wirkung bringen könne. Dieser seltsame Mann mit dem Namen Canaris schlief des Nachts vor Herrschsucht nicht, beging keine Handlung, auch nicht die allergeringste private, die ihn nicht seinem Ziel, mächtig und mächtiger zu werden, näherbringen könne.

Bei Ausbruch des Krieges 1914 war Canaris Leutnant zur See. Bei seiner Charakterveranlagung war es selbstverständlich, daß er sich nicht damit begnügte, Wachoffizier auf einem Torpedoboot zu bleiben. Er ging in die deutsche Spionage, diedamals von dem Obersten Nikolai geleitet wurde.

Aus der Marine stammend und auch in seiner Stellung bei der Spionage von der Marine reklamiert, wurde er mit der wichtigsten Aufgabe betraut die es auf dem Marinegebiet im ersten Weltkriege gab: mit der Schaffung heimlicher Unterseebootstützpunkte im Atlantik.

Das Mittelmeer wurde bald Schauplatz deutscher Unterseebootaktionen, der östliche Atlantik gleichfalls, aber geradezu entscheidend war die Frage, ob es gelingen würde, Operationen von U-Booten vor der Meerenge von Gibraltar sicherzustellen. Durch die Straße von Gibraltar schaffte das britische Empire seine Rohstoffe aus dem Fernen Osten zur Heimatinsel. Zugleich aber gelang es deutschen U-Booten bei dem damaligen Stand der Technik, häufig durch dieselbe Meerenge ins Mittelmeer zu gelangen.