Die Bodenreformer, die heute noch gegen spekulative Überhöhungen der Preise auf den städtischen Grundstücksmärkten Sturm laufen wollten, würden offene Türen einrennen. Das Streitthema eines Adolf Damaschke ist das Thema von gestern. Es gibt, von einigen unzeitgemäßen und unbelehrbaren Liberalökonomen abgesehen, niemand von Gewicht mehr, der einer freien Bodenpreisbildung das Wort redet

Der Wertzuwachs, den ein Stück Boden durch den Übergang von der landwirtschaftlichen zur grundstückswirtschaftlichen oder verkehrswirtschaftlichen (in jedem Falle höherwertigen) Verwendung erfährt, wird mit vollem Recht zugunsten der Allgemeinheit abgeschöpft. Das Beispiel der Schöneberger Millionenbauern empfinden wir heute als unzeitgemäß und sozial rückständig. „Sobald nicht der Einzelne, sondern die von der öffentlichen Hand gelenkte Entwicklung die Grundrente zum Steigen bringt, hat die Allgemeinheit Anspruch auf den Zuwachs.“ Dieser Satz aus dem Aufsatz Prof. Fritz Schumachers über die „Regulierung des Bodenpreises“ in Nr. 11 dieser Zeitschrift drückt indes nur die eine Seite unserer Vorstellungen von der Bodenpreisreförm aus. Gewiß, der Bodenbesitzer hat keinerlei Anrecht auf einen nicht erarbeiteten oder durch eine andere Leistung begründeten Gewinn; und es ist nur sozialpolitisch gerechtfertigt, wenn der Enteignungspreis sich aus der bisher üblich gewesenen Rente errechnet, Ist aber dieser sozial gerechte Preis zugleich der volkswirtschaftlich richtige Preis?

Die übereifrigen Bodenreformer haben dieser Doppelfunktion des Preises nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Der Bodenmarktpreis, der in der Reformliteratur reichlich vorwurfsvoll als ein Spekulationspreis bezeichnet wird, ist durchaus nicht so überflüssig, wie seine Kritiker es häufig vermeinen. Er hat sogar eine wichtige volkswirtschaftliche Steuerungsfunktion. Um sie zu verstehen, möge man sich einmal folgendes Bild vor Augen führen: An die Stelle einer Trümmerstadt A soll 100 Kilometer von dem zerstörten Stadtkern enfernt die Neustadt B „aus dem Boden gestampft“ werden. Die bisherigen Bodenbesitzer, Landwirte zumeist, werden nach Maßgabe ihrer Ackerrente abgefunden. In diesem Beispielsfall würde der Bodenpreis; völlig unabhängig von seiner in Aussieht genommenen Benutzung und der möglichen Rentabilität, über einen Leisten geschlagen werden. Eine solche Uniformität des Bodenpreises ist aber wirtschaftlich geradezu sinnlos. Denn selbstverständlich kann der zentral gelegene Verwaltungsbau einen weit höheren Grundstückspreis aufbringen als die kleine Stadtrandsiedlung,

Hüten wir uns, den Teufel der sogenannten Bodenpreisspekulation mit dem Beelzebub einer Preisgleichmacherei auszutreiben! Denn wir hätten statt einer sozial gerechten Preisbildung, die uns von den Reformatoren angekündigt wird, ein völlig Unverdientes Geschenk an jene Grundstücksbesitzer, die wegen des erhöhten Ertrages mit Fug und Recht Buch einen höheren Bodenpreis zahlen können.

Der Ausweg aus diesem scheinbaren Dilemma kann nur heißen: zweierlei Bodenpreise! Der Vorbesitzer wird „angemessen“ entschädigt, aber sein Nachfolger muß den „richtigen“ und nicht den korrigierten Preis bezahlen. Die Differenz fließt In die öffentlichen Kassen. Htmr.