Angesichts der Problematik unserer wirtschaftlichen Zukunft ist die Frage der Nachwuchslenkung besonders heikel. Sie wird zudem verschleiert durch Probleme des Berufswechsels von Hunderttausenden, denen der Strudel der Ereignisse den wirtschaftlichen oder politischen Nährboden für die ursprünglich erlernte Berufstätigkeit unter den Füßen fortspülte. Zudem haben die krisenreichen Wandlungen der letzten Jahrzehnte die für eine Generation jeweils durch die Berufswahl scheinbar festgelegten Berufsgruppierungen immer wieder durcheinandergewürfelt. Dennoch läßt sich in der Entwicklung der Berufsaufgliederung des deutschen Volkes ein allgemeiner Trend feststellen. Zwar ist dieser heute abgebrochen, seine Tendenzen werden sich aber in manchen Berufen wieder durchsetzen. In anderen Berufen wird eine neue Entwicklung aus der abrupt gewandelten Lage einsetzen. Soweit nun die wirtschaftlichen Nahziele berufliche Umgruppierungen erzwingen, entspräche diesen der Berufswechsel der Älteren. Der wirtschaftlichen Zukunftsentwicklung entspräche vor allem ein Einsatz der Jugend.

Während die Gesamtbevölkerung von 1882 in Deutschland (Gebietsstand vom 1. Januar 1938) bis 1939 von 40 auf 70 Millionen anwuchs, also um rund 75 v. H., fiel zugleich die land- und volkswirtschaftliche Bevölkerung von 16 auf 12 Mill. und damit von 40 v. H. Beteiligung am Bevölkerungsaufbau auf etwa 17 v. H. Bergbau, Industrie und Handwerk stiegen von knapp 15 auf 28 Mill.; ihr Wachstun um(genauer) 88 v. H. entsprach demgemäß durchaus der Bevölkerungszunahme. Einen unvergleichlichen Anstieg zeigen dagegen die Entwicklungszahlen für Handel und Verkehr um 180 v. H., öffentliche Verwaltung und private Dienstleistung um 236 v. H., die Gruppe der Rentner, Anstaltsinsassen and anderer Berufsloser um 373 v. H. von insgesamt 7,7 Mill. in diesen drei Gruppen auf 26,4 Mill.

Aus dieser rohen Aufgliederung zeigt sich der allgemeine Berufstrend schon sehr deutlich. Im einzelner ist interessant, daß fast alle handwerklichen Berufsgruppen, die in einer Vielzahl kleiner und kleinster Betriebe arbeiten, wie Bäcker, Fleischer, Schlosser, Schmiede u. ä., sowohl in ihrer Entwicklung als auch in ihrer regionalen Verteilung stets mit der Gesamtbevölkerung korrespondieren, eine Tatsache, die für die Nachwuchslenkung von besonderer Bedeutung ist und die ihre Gültigkeit wohl auch über die derzeitige Strukturwandlung hinaus behalten wird. Dagegen wird gerade auf ferne Sicht der Neubau der deutschen Wirtschaft der Entwicklung der Berufsgruppen Gartenbau und Landwirtschaft neue Impulse verleihen und auf kürzere Sicht den Berufsgruppen der Bauwirtschaft, deren Konjunkturdauer nicht zum mindesten von – der technischen Vollkommenheit der Produktionsverfahren abhängen wird. Demgemäß entspräche dem längeren Trend in der Landwirtschaft der Einsatz vorzüglich der Jugend, wofür zudem auch psychologische Momente sprechen; denn der verstädterte Erwachsene wird wohl nur in den seltensten Fällen dauerhaft der Landwirtschaft verbunden werden können. Aus den beruflich neu zu gruppierenden Menschen dieser Schicht könnte der Arbeiterhunger der Bauwirtschaft gespeist werden.

Der stetigen Kurve im Handwerk, der steigenden in Land- und Bauwirtschaft steht ein tiefer Sturz in der industriellen Betätigungskurve gegenüber, der durch Devastation und Deportation der – Produktionsmittel veranlaßt ist und von dem sich nach dem im Industrieplan ausgesprochenen Willen selbst bei steigender Rohstoffgewinnung die industrielle Beschäftigungskurve auch nicht wieder zur einstigen Steilheit aufrichten soll. Auch die Kurve der im Handel und Verkehr Beschäftigten ist unterbrochen sowie die der in öffentlicher Verwaltung und privater Dienstleistung Stehenden. Die eine wird auf lange Sicht bei steigenden Verkehrsansprüchen und Detaillierung der Güterproduktion wieder lebendig werden, wobei die Nachwuchslenkung gegen die eventuell zu zahlreich zurückströmenden alten Berufszugehörigen besonders für einen späteren gesunden Altersaufbau in den Berufsgruppen sorgen würde. Eine allzu lebhafte Auferstehung der anderen Kurve, die nicht zum mindesten die rapide Bürokratisierung registrierte, steht wohl kaum zu erwarten. dke.