vom 10. Mai bis 22. Mai l946

Auf der Pariser Außenministerkonferenz, die am vergangenen Donnerstag beendet wurde, kam es in bezug auf Deutschland zu keiner Einigung. Auch die Frage der italienisch-jugoslawischen Grenze und der italienischen Kolonien könnte nicht gelöst werden. Dagegen wurde bezüglich der italienischen Reparationen und der Verteilung der italienischen Kriegsflotte eine Einigung erzielt, und auch die Waffenstillstandsbedingungen für Italien wurden revidiert. Die Grenzfragen auf dem Balkan wurden dahingehend gelöst, daß der deutschitalienische Schiedsspruch von 1940 aufgehoben wurde und Siebenbürgen wieder zu Rumänien, Bessarabien zur Sowjetunion und die südliche Dobrudscha zu Bulgarien kommen. – Der Abschluß eines Friedenvertrages mit Finnland wurde der europäischen Friedenskonferenz zur Beratung überwiesen. Die Außenminister haben die Konferenz auf den 15. Juni vertagt. Die stellvertretenden Außenminister mit ihren Stäben bleiben in Paris zur Ausarbeitung der Berichte, die sie der Konferenz am 15. Juni wieder vorlegen werden.

Außenminister Bevin berichtet den Mitgliedern des britischen Kabinetts am Montag über die Ergebnisse der Pariser Konferenz, und in dieser Woche wird er an den Dominienberatungen teilnehmen, zu denen auch der kanadische Premierminister Mackenzie King in London eingetroffen ist. Während der Unterbrechnug der Dominionkonferenz hatte Feldmarschall Smuts, der Premierminister von Südafrika, Berlin und Hamburg einen Besuch abgestattet, und der australische Außenminister Evatt war in Paris, wo er mit dem französischen Außenminister Bidault gemeinsam interessierende Fragen des Fernen Ostens besprach.

Ein allgemeiner Verteidigungsplan für das Gebiet des Stillen Ozeans, der die wechselseitige Benutzung der britischen und amerikanischen Stützpunkte im Pazifik vorsieht, ist der Gegenvorschlag Englands gegenüber der amerikanischen Forderung nach Überlassung britischer Stützpunkte im Pazifik.

Zum ersten Male im Frieden wurden die amerikanischen Eisenbahnen vom Staat durch einen Erlaß des Präsidenten Truman zur Verhinderung des drohenden Streiks übernommen.

Der Schiedsspruch, der den Bergarbeiterstreik beenden sollte, wurde vom Präsidenten der Bergarbeitergewerkschaft John L. Lewis und dem Vertreter der Zechen Oneill abgelehnt.

Die widersprechenden Meldungen über Kampfhandlungen in Aserbeidschan zwischen Regierungstruppen und Streitkräften der autonomen Provinz wurden jetzt vom persischen Ministerpräsidenten Sultaneh dahingehend geklärt, daß es sich um einen nicht ernsten Zusammenstoß gehandelt habe. Er habe keinen Befehl zum Angriff gegeben und sei auch überzeugt, daß die Ruhe und Ordnung bald wieder hergestellt sein wird, mit Hilfe seiner Sonderbeauftragten und Vertreter aus Täbris. Da am Montag noch kein genauer Bericht über die Räumung Persiens von russischen Truppen beim Weltsicherheitsrat vorlag, wurde die Behandlung der Frage auf Mittwoch vertagt.